COP 23: Heute geht es auf die Zielgerade

tropfen_pflanze_kp_1200_crGuten Morgen aus Bonn! Wieder kein Sonnenaufgang – und das am Afrika-Tag der COP, an dem sich ein ordentlicher Promiauflauf mit 30 Staats- und Regierungschefs und weit über 100 Minister*innen ankündigt. Zumindest gibt es eine aufgeweckte Ministerin, die heute schon 7.30 Uhr die Delegationsbesprechung eröffnet, mit dem Fazit, dass wir bei den Verhandlungen wirklich gut vorangekommen sind. Und es gibt einen Geburtstag. Der Anpassungsfond wird morgen 10 Jahre und feiert dies auch, im alten Bonner Rathaus.

Herzlichen Glückwunsch!

Womit wir bei den Inhalten wären. Am Ende geht es da ja “nur” um Texte.

Wie sehen die derzeit aus? Ein kurzer Blick ins Innere:

Minderung: Unheimlich langer Text, in dem viele unterschiedliche Positionen sind zu der Frage zusammengetragen wurden, wie eine Treibhausminderung bestenfalls erreicht werden kann.

Transparenz: Gut strukturierter Text, der eine gute Entscheidungsgrundlage für das sogenannte Regelbuch darstellt, in dem zum Beispiel festgelegt wird, wie CO2 global nach einheitlichen Standards gemessen wird.

Mittels “Reflections-Notes” sollen die Textkoordinatoren übrigens sagen, wie mit diesen Texten und dem Rest der Verhandlungspapieren umgegangen werden soll.

Ein Ergebnis muss am Ende der Tagung beim  Lückenschließer-Prozess vorliegen, offiziell Talanoa-Dialog genannt. Hier muss übermorgen eine Prozedur feststehen, mit der die Staaten sich für das Pariser Abkommen richtig vorbereiten können/sollen und mittel- und langfristigere Klimaziele definieren. Das heißt, möglichst viele Staaten sollten 2020 Klimaziele für 2030 vorlegen können. Das braucht Nudging, Anstöße und ein bisschen Druck und Kontrolle.

Weiter gebaut wird zudem an einer Finanzierungstruktur für gravierende Extremwetterschäden durch Stürme, Fluten und Hurrikans. Hierzu werden weitere größere Geldsummen bereit gestellt.

Wie wichtig das ist, zeigen die Auswirkungen letzter Hurrikans auf einer Reihe von Inselstaaten. Teilweise gibt es dort einen Verlust von 200% des Bruttosozialproduktes, die Infrastruktur bestimmter Inseln ist also komplett weg. Das BMZ ist hier stark engagiert, siehe PM von gestern.

Keine Lösung gibt es bisher bei der Frage, wie die Türkei Zugang zum Green Climate Fund bekommt. Hier hat Staatssekretär die Verhandlungen geführt und er wird dies noch weiter tun.

Und was ist im Talanoa-Space, dem hippen Konkurrenten des deutschen Pavillon los? Der macht wieder eine Extra-Wurst. Hier ist kein Afrika-, sondern ein Inseltag. Außerdem geben sich hier einige große Wirtschaftsverbände die Klinke in die Hand, bei ein paar Kohle… Äh coolen Events zur Dekarbonisierung im Verkehrs- und anderen Sektoren jenseits der Energiebranche. Es hängen also nicht alle bei Macron und Merkel ab… 😉

Apropos, Macron. Der kommt heute beim deutschen Pavillon vorbei – es ist halt, the place to be.

Einen schönen Tag wünscht Stephan Haufe, BMUB-Pressesprecher auf der COP 23

Weitere Informationen:

Green Climate Fund

„Unsere Stimme wird gehört“

KlimaTalks Cop 23

Klima-Talks an Bonner Schulen

Das Bundesumweltministerium möchte Kinder und Jugendliche in die Diskussionen der Weltklimakonferenz COP 23 einbeziehen und veranstaltete deshalb sogenannte „Klima-Talks“ an Bonner Schulen. Die Idee dahinter: Gerade die Kinder und Jugendlichen von heute sind es, die den Einfluss der Klimaveränderungen am meisten spüren werden, deshalb ist es wichtig, ihre Meinung anzuhören.

Vom 6. bis 10. November 2017 haben Klimaverhandlerinnen und -verhandler und renommierte Klimaschutz-Expertinnen und Experten rund zehn Schulklassen im Bonner Raum besucht und mit ihnen über die Themen Klimapolitik, Klimawandel und Klimaschutz diskutiert. An jeder Veranstaltung nahm auch eine junge Klimaschützerin oder ein junger Klimaschützer teil – als Bindeglied zwischen Schülerinnen und Schülern und Expertinnen und Experten.

Mit den Talks wurden über 300 Schüler erreicht. Dabei lag der Hauptfokus nicht auf Präsentationen, sondern auf einem intensiven Austausch in Kleingruppen. Besonders wichtig waren dabei die Verhandler aus der deutschen und aus den internationalen Delegationen wie z.B. Großbritannien, Kolumbien, Peru oder Libanon. Denn durch deren Präsenz wurden den Schülern nicht nur die Folgen des Klimawandels weltweit besser verständlich, sondern die Verhandlungen vor ihrer Haustür wurden so viel greifbarerer.

Ein motivierendes Vorbild für die Schülerinnen und Schüler waren die zahlreichen Jugenddelegierten, die ebenfalls an den Talks teilnahmen. Insgesamt war der Tenor: in Zukunft mehr davon! Dass scheint auch für die Verhandler ähnlich gewesen zu sein, denn Archie Young, Chef der englischen Delegation sagte zum Abschied: “I get so much input, I don’t want to go back to the negotiations, I’d rather stay here and keep on talking with you.” Auch Arne Riedel von der Deutschen Delegation war überwältigt von dem Wissensdurst und dem Drang der Schüler, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Das gebe Hoffnungen für die Zukunft. Insgesamt haben sich die Klima-Talks als Instrument zur besseren Verständigung zwischen den Generationen bewährt. Oder wie es ein Schüler ausdrückte: “Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit für das, was uns am Ende am meisten auf der Seele brennt: Dass unsere Stimme gehört wird.”

“Macht was. Es ist unsere Zukunft!”

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Es tut gut, einmal für kurze Zeit das Konferenzgelände zu verlassen. Nicole Wilke, dt. Chefverhandlerin nutzt ihre Mittagspause und fährt zum St. Adelheid Gymnasium in Bonn-Beuel, um mit rund 30 Schülerinnen über die aktuellen Klimaverhandlungen zu diskutieren.

Begleitet wird sie von einem Jugenddelegierten von den Seychellen, Rene Kieselhorst, und einer NGO-Beobachterin der grünen Jugend Laura Ehrich. Während Nicole Wilke plastisch vom Konferenzalltag berichtet, erzählen die Jugenddelegierten ihre Sicht der Dinge. Das ist für die jungen Frauen zwischen 15 und 18 Jahren sehr authentisch und spannend. Sie haben sich auf den ungewöhnlichen Besuch gut vorbereitet. Drei Fragen lagen ihnen besonders auf dem Herzen: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Tiere? Wie kann ich mich engagieren? Wie kann ich persönlich CO2 reduzieren? Wichtige Fragen, die eigentlich jeden Menschen interessieren sollten. Unglaublich, wie schnell plötzlich 90 Minuten vorbei sind. Dabei wurde eine Menge Bälle in Form von Kommentaren versenkt und wirklich beeindruckt fuhren wir wieder zurück, ins Konferenzgetümmel die Welt retten. Aber der Arbeitsauftrag der Schülerinnen war ziemlich eindeutig. Es ist unsere Zukunft: Macht was und redet nicht nur….

Von Franz Emde, BMUB-Pressereferent

Nachhaltige Weltklimakonferenz

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Wie die Bonner Weltklimakonferenz zum umweltfreundlichen Erfolgsmodell werden kann
Die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen wird so umweltverträglich und nachhaltig wie möglich ausgerichtet. Treibhausgasemissionen sollen so weit wie möglich vermieden werden. Nicht vermeidbare Emissionen werden durch anspruchsvolle Klimaschutzprojekte kompensiert. Die Organisation der Bonner Weltklimakonferenz soll demnach neue Maßstäbe in Sachen Umweltfreundlichkeit von Großveranstaltungen setzen. Darum strebt das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem UN-Klimasekretariat eine Zertifizierung nach dem besonders anspruchsvollen EMAS-System (Eco Management and Audit Scheme) an. Dabei werden alle Umweltauswirkungen analysiert und negative Folgen so weit wie möglich minimiert. Die verbleibenden CO2-Emissionen, die insbesondere bei der An- und Abreise entstehen, sollen anschließend kompensiert werden. Dies ist ein gemeinsames Projekt des BMUB und des UN-Klimasekretariates.

Was ist EMAS?

EMAS ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union, das Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Branche dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

Alleinstellungsmerkmale von EMAS sind vor allem:

  • Beachtung konkreter inhaltlicher Umwelt-Kernindikatoren neben allen anderen wesentlichen Umweltaspekten,
  • Prüfung durch einen staatlich zugelassenen Umweltgutachter,
  • Rechtskonformität vor Zertifizierung erforderlich,Erstellung eines geprüften und öffentlich zugänglichen Umweltberichts (der Umwelterklärung),
  • Beteiligung der Vollzugsbehörden durch die zuständige Industrie- und Handelskammer, sodann Registrierung durch die IHK und
  • Eintragung ins EMAS-Register (www.emas-register.de), nach Registrierung Berechtigung zum Führen des EMAS-Logos.

EMAS enthält gleichzeitig die Anforderungen der ISO 14001 (ISO-Norm zum Umweltmanagement) und zertifiziert diese mit. Auf eine reine ISO-Zertifizierung wurde wegen der geringeren inhaltlichen Anforderungen der ISO 14001 (keine Rechtskonformität verlangt, keine Pflicht zur Berichterstattung, keine Kernindikatoren, keine Beteiligung von Vollzugsbehörden) verzichtet.

Ist es nicht zwingend, UN-Konferenzen streng nach Nachhaltigkeitskriterien zu zertifizieren?

Selbstverständlich werden globale Umweltkonferenzen mit besonderem Augenmerk auf Nachhaltigkeit organisiert und durchgeführt. Die Zertifizierung der zwei vorhergehenden Klimakonferenzen in Paris und Marrakesch erfolgte beispielsweise nach der ISO-Norm 20121 (nachhaltiges Event-Management). Diese ISO-Norm stellt allerdings keine strikten Anforderungen und gibt weder verbindliche Kernindikatoren vor noch verlangt sie die Rechtskonformität vor der Zertifizierung.

Bislang wurde EMAS bei keiner Welt-Klimakonferenz eingeführt. In Deutschland wurden bislang erst zwei staatliche Großveranstaltungen nach EMAS zertifiziert: Die Konferenz über die Biologische Vielfalt 2008 in Bonn und das Festival der Zukunft 2016 zum 30-jährigen Jubiläum des Bundesumweltministeriums in Berlin.

Was wird alles auf Umwelt- und Klimaverträglichkeit geprüft?

Alle wesentlichen zu erwartenden Auswirkungen der Konferenz in Bezug auf Treibhausgasemissionen, sonstige Emissionen (inkl. Lärm), Energieeffizienz mit Anteil erneuerbarer Energien, Materialeffizienz, Wasser, Abfall und Biodiversität werden dahingehend geprüft, ob sie vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden können. Hierzu werden Umweltleitlinien und ein Maßnahmenprogramm erstellt. Sonstige Umweltaspekte werden einbezogen, soweit sie für die Konferenz relevant sind. Dies sind etwa Kriterien für die öffentliche Beschaffung von Material für die Konferenz, das Catering oder die Materialverwendung für die temporären Bauten, aber auch die Bewusstseinsbildung bei Besuchern, z.B. über eine entsprechende Kommunikation zur Verwendung von Mehrweggeschirr oder zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.

Die umweltfreundliche Konferenzorganisation umfasst zum Beispiel den Papierverbrauch, die Verwendung von Recyclingmaterial, eine überwiegend vegetarische Verpflegung mit hohem Bio- und Regionalanteil, die Getränkeversorgung, das Abfallaufkommen, Mobilität, Energie- und Wasserverbrauch sowie die Zeltbauten. Aber auch die Sensibilisierung aller Mitarbeitenden und Teilnehmenden der Konferenz gehört dazu.

Wer beteiligt sich an der nachhaltigen Ausrichtung?

Neben dem Bundesumweltministerium und dem UN-Klimasekretariat beteiligen sich auch das Bundesentwicklungsministerium und das Auswärtige Amt an der umweltfreundlichen Ausrichtung. Darüber hinaus wird die Klimakonferenz von der Gastgeberstadt Bonn zum Anlass genommen, das Projekt „Sustainable Bonn“ auszubauen. Langfristig sollen alle Bonner Hotels auf den Weg zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gebracht werden. Die Energieagentur Nordrhein-Westfalen hat hierzu ihre Unterstützung in Form von Beratungen angeboten.

Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Bonner Region ist für alle Delegierten und akkreditierte Beobachterorganisationen sowie JournalistInnen während der COP23 kostenlos. Zur Busflotte gehören zum Beispiel 15 alternativ angetriebene Busse. Darüber hinaus wurde die neue ÖPNV-Haltestelle „UN-Campus“ gebaut und eingeweiht.

Alle Vertragspartner und Lieferanten des BMUB und des Klimasekretariates sind angehalten, den „UN Code of Conduct“ der Vereinten Nationen bzw. entsprechende Empfehlungen der Bundesregierung und der Stadt Bonn zu unterschreiben, in denen sie sich zur Einhaltung von gesetzlichen Regelungen, Umwelt- und sozialen Standards verpflichten. Dies gilt entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowohl für Haupt- als auch für Unterauftragnehmer und betrifft z.B. die Zahlung von Mindestlohn, Antikorruptionsmaßnahmen, Achtung von Menschenrechten oder die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen.

Wie wird die Umweltfreundlichkeit überprüft?

Die Umweltaspekte werden während der COP 23 von einem unabhängigen Gutachter geprüft. Das EMAS-Zertifikat wird am Freitag, den 17.11.2017 zum Konferenzende an das Bundesumweltministerium und das UNFCCC überreicht, wenn die vor-Ort-Begutachtung erfolgreich abgeschlossen ist und alle Verbrauchskennzahlen erhoben sind. Nach der Konferenz wird eine Evaluation durch einen unabhängigen Gutachter vorgenommen, die die prognostizierten und in der Umwelterklärung dargestellten Ziele mit den tatsächlich erreichten Zielen vergleicht. Die Umwelterklärung wird zu diesem Zweck aktualisiert. Die Richtigkeit der Angaben wird sodann nochmals von dem Umweltgutachter überprüft.

Eine durch das UN-Klimasekretariat durchgeführte Befragung von Teilnehmenden soll Ort und Kategorie des genutzten Hotels, die Entfernung Hotel-COP, die Verwendung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), von Taxi oder Pkw und die Anzahl der Konferenztage der befragten Teilnehmer erfassen. Die Ergebnisse werden anonymisiert ausgewertet und dann für die Klimabilanz der COP 23 verwendet.

Mit welchen Projekten werden verbleibende CO2-Emissionen kompensiert?

Unvermeidbare Treibhausgase, die vor allem durch die An- und Abreise entstehen, werden über hochwertige CO2-Emissionsminderungszertifikate aus internationalen Klimaschutzprojekten kompensiert. Das Umweltbundesamt veröffentlicht dazu eine Ausschreibung. Gesucht werden anspruchsvolle Projekte, die neben zusätzlicher Emissionsminderung auch einen hohen Nachhaltigkeitseffekt im Projektland erbringen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Hoher Nachhaltigkeitseffekt im Projektland; keine HFC-23 oder N2O-Projekte, keine Kohleprojekte oder große Wasserkraftprojekte; Gutschriften aus der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto Protokolls. Als Zeichen der Partnerschaft mit Fidschi für die COP, wird für den Erwerb von Zertifikaten ein regionaler Fokus auf kleine Inselstaaten (SIDS, Small Island Developing States) gelegt. Die Bundesregierung wird dann in dem Umfang Zertifikate von diesen Projekten kaufen, den die Bonner Konferenz an Klimagasen verursacht hat.

Weitere Informationen

Bei der Eröffnung der COP

Un-Flagge

So ganz scheinen sich die delegierten Staatenvertreterinnen und -vertreter nicht zu trauen: Der große Saal mit dem Namen “New York” füllt sich nur langsam – aber stetig.

Die Presse wartet geduldig, um die Delegationschefs abzulichten, der UNFCCC-Pressesprecher bearbeitet noch ganz entspannt ein paar E-Mails, der BMUB-Fotograf darf noch ein paar Fotos aus der ersten Reihe machen – und nun füllt sich auch das Präsidium: UNFCCC-Chefin Patricia Espinosa, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, der marrokanische COP-Präsident und weitere Gäste treffen ein.

Zu Beginn der offiziellen COP-Eröffnung wird der Staffelstab von Marokko an Fidji übergeben: Der Präsident der COP 22, die 2016 in Marrakesh stattfand, spornt Präsident Bainamarama von der Republik Fidji und die Delegiergen mit einer stolzen Rede über die Leistungen eines agilen Afrikas, die Möglichkeiten einer globalen Klimaweltgemeinschaft im Kontext internationaler Klimapolitik und die Verpflichtung den folgenden Generationen gegenüber an. 2017 in Bonn rückt der Fokus von Afrika auf die besonders verletzlichen kleinen Inselstaaten. Jene Staaten, die bei einem Anstieg des Meeresspiegels im Meer versinken würden – was für Inseln wie Kiribati oder Marshall Islands bereits lebensbedrohliche Realität ist. Das macht die Weltklimakonferenzen spätestens seit Paris so besonders: Die Folgen des Klimawandels sind greifbar, sind gefährlich, Menschen aus besonders verletzlichen Staaten und Regionen werden gehört. Es gibt keine Ausrede mehr dafür, Klimaziele nicht einzuhalten oder um Gradzahlen zu feilschen. Die Verhandlungen sind wichtig, sagt der marokkanische COP-Präsident genauso wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – und: “das Handeln jetzt umso wichtiger”.

Die Übergabe der COP-Präsidentschaft geschieht per Akklamation: Frank Bainamirama leitet von nun an die COP 23. Zum ersten Mal ist ein so kleiner Staat Gastgeber. Es hat sich tatsächlich etwas verändert. Es geht nun wirklich los. Mit einer kraftvollen Zeremonie in Fidji-Tradition.

Verfasserin: Nina Wettern; BMUB-Pressesprecherin bei der COP

„Klimafreundlicher Kaffee aus Costa-Rica“

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Bei der Weltklimakonferenz COP 23 in Bonn wird nicht nur verhandelt – es geht auch um konkrete Umsetzungsschritte hin zur klimaneutralen Welt. Ein kleines Beispiel dafür kann man sich im deutschen Pavillon schmecken lassen: den weltweit ersten klimafreundlichen Kaffee. Er kommt aus Costa Rica und entsteht in einem Fortbildungsprojekt, das unter anderem vom Bundesumweltministerium gefördert wird.

Was ist klimafreundlicher Kaffee?

Die ersten zwei Produzenten in Costa Rica bieten mittlerweile zertifizierten Niedrigemissionskaffee an, der auch im Deutschen Pavillon angeboten wird. Weitere Produzenten werden folgen. Die Produzenten rechnen damit, auf dem Weltmarkt höhere Preise für den höherwertigen Kaffee zu erzielen. Klimafreundlich wird der Kaffee, indem die Bauern klimafreundliche Praktiken und Technologien einsetzen, die in Fortbildungsmaßnahmen vermittelt werden.

Welche Rolle spielt das Projekt für Costa Rica und Zentralamerika?

Costa Rica setzt derzeit sein nationales Klimaschutzprogramm im Kaffeesektor um. Das ist einer der Bausteine zur Erreichung von Costa Ricas ehrgeizigem Ziel, bis zu seinem 200. Geburtstag im Jahr 2021 das weltweit erste CO2 neutrale Land zu werden. Der Kaffeesektor ist in Costa Rica nicht nur ein wichtiger Subsektor der Agrarwirtschaft, er ist für 25% der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich, das sind immerhin 9% der gesamten nationalen Treibhausgasemissionen.

Die angestoßene Transformation des Kaffeesektors in Costa Rica strahlt auch in Nachbarländer aus: Weitere kaffeeproduzierende Länder Lateinamerikas (u.a. Guatemala, Honduras) sind auf Costa Ricas Klimaschutzprogramm im Kaffeesektor aufmerksam geworden und wollen von Costa Rica lernen, wie sie ihren eigenen Kaffeesektor umstellen können. Dass sich dabei wirtschaftliche und Klimaschutz-Interessen verbinden lassen, zeigt nicht nur das rege Interesse der Kaffeebauern und Verarbeitungsbetriebe in Costa Rica, sondern auch die Bereitschaft einer großen Kaffeehauskette, eigenes Geld in die Hand zu nehmen, um seine eigenen Kooperationspartner (v.a. Kaffeebauern) weiterzubilden zu klimafreundlichen landwirtschaftlichen Praktiken.

Wie unterstützt Deutschland das Projekt?

Das Bundesumweltministerium hat zusammen mit Großbritannien, Dänemark und der EU-Kommission die sogenannte NAMA-Facility gegründet, die nationale Klimaschutzmaßnahmen („NAMAs“) in Entwicklungsländern fördert. Das klimafreundliche Kaffeeeprojekt in Costa Rica wird mit 7 Millionen Euro gefördert. Durchgeführt wird das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Was passiert konkret vor Ort?

Kaffeebauern und Verarbeitungsbetriebe lernen, wie man klimafreundlich Kaffee produziert:  durch klimafreundliche Anbau-, Bewässerungs-, Dünge- und Verarbeitungsmethoden. Die Landwirte lernen beispielsweise, warum es wichtig ist, Schattenbäume zu pflanzen und ihren Boden zu analysieren. So kann der passende „Nährplan“ entwickelt und Dünger optimal eingesetzt werden. . Der Einsatz von Düngemitteln spielt eine entscheidende Rolle bei der Produktion von emissionsarmem Kaffee, sind chemische Düngemittel doch für einen Großteil der Treibhausgase auf einer Kaffeeplantage verantwortlich. Erste Erfahrungswerte zeigen, dass durchschnittlich 15% Düngemittel eingespart werden können. Abfallprodukte der Kaffeebohnen-Verarbeitung werden zudem als biologische Düngemittel oder zur Bioenergiegewinnung im Röstungsprozess eingesetzt.

Auch die richtige Bewässerung der Plantagen, insbesondere im Hinblick auf Costa Ricas zum Teil extreme Trocken- und Regenzeiten, und die Widerstandsfähigkeit verschiedener Kaffeesorten gegenüber Krankheiten oder Plantagenmanagement sind Themen der Fortbildungen.

Mehr als 3.000 costa-ricanische Kaffeebauern nahmen bereits an Fortbildungen teil. Zudem wurden 300 landwirtschaftliche Berater des nationalen Kaffeeinstituts ICAFE und des Agrarministeriums geschult, um nun die Landwirte bei der Anwendung der neu erlernten landwirtschaftlichen Praktiken unterstützen und künftig die Workshops in allen Regionen selbstständig durchführen zu können.

Ebenfalls mit dabei sind 50 der etwa 300 costa-ricanischen Kaffeeverarbeitungsbetriebe. Alle 50 haben ihren CO2-Fussabdruck (carbon footprint) berechnet, 34 haben auch den Wasserverbrauch (water footprint) während des gesamten Kaffeeprozesses gemessen. Anhand der Ergebnisse entwickeln die Betriebe nun Strategien, um sowohl CO2 als auch Wasser zu sparen. Das Projekt bezuschusst bis zu 10% der Investitionskosten für besonders zukunftsweisende Technologien wie solare Trockner und stellt zudem eine zinsverbilligte Kreditlinie (ca. 8 Millionen EUR) zur Verfügung.

Zwei der 50 teilnehmenden Betriebe wurden vom nationalen Umweltministerium bereits als klimaneutrale Kaffeeverarbeitungsbetriebe ausgezeichnet und zertifiziert. Zudem wird der Vertrieb des innovativen Produkts gefördert, bspw. durch Unternehmerreisen. So fand im Oktober eine Verkaufsreise nach Deutschland statt. Fünf ausgewählte Betriebe, davon drei große Kooperativen und zwei familiengeführte Unternehmen, die von Frauen geleitet werden – eine Seltenheit in der Branche – besuchen Röstereien, um dort ihren Kaffee und ihr Klimakonzept vorzustellen. Denn außer in ihrer Heimat gibt es weltweit bisher keinen klimafreundlichen Kaffee.

Weitere Informationen

www.namacafe.org
www.dw.com/de/klimafreundlicher-kaffeeanbau-in-costa-rica/av-39856836
www.nama-facility.org

 

BMUB-COP-TOPs: Montag, 6.11.2017  www.cop23.de/presse/cop-top