Was macht eine COP eigentlich?

Kann man sich den ganzen Aufwand für die COP nicht sparen, werden wir manchmal gefragt. Da würde doch auch eine Videokonferenz reichen, wird gerne mal behauptet. Ach, das ist doch nur ein großer Zirkus, heißt es ab und an spöttisch.

Mitnichten. Diese Vorstellungen gehören ins Reich der Legenden. Immerhin reden wir über eine Veranstaltung der Vereinten Nationen, die insgesamt drei Konferenzen unter dem Dach der COP23 vereint. Und es ist nicht eine kleine Konferenz mit einem Saal für die Hauptvorträge und drei Workshopräumen für vertiefende Bildungsangebote.

Die Klima-COPs sind Verhandlungsplattformen, auf denen 195 Staaten zusammenkommen, um sich über Mechanismen, Finazierungswege und Gerechtigkeit in Sachen Klimaschutz und -anpassung zu einigen. Da geht es sehr konkret um Rahmenbedingungen für die politischen Systeme in den Ländern. Da geht es um Umwelt- und Wirtschaftspolitik, um Einfluss und die Entwicklung neuer Wege, wie sich ganze Gesellschaften am Klimaschutz beteiligen können und müssen.

Die vielen Fernsehbilder und Zeitungsberichte zeigen eine große COP mit Ausstellungsflächen und Leihfahrrädern, bunten Infoscreens und gut gelaunten junge Menschen. Was die Presse nicht zeigen kann, ist die Arbeit der Delegationen, die oft um sechs Uhr früh mit E-Mails beginnt, um acht Uhr mit Delegationsbesprechungen weitergeht, mit unzähligen Meetings, bilateralen oder großen Treffen und Plenumssitzungen, in denen um Worte für die Zukunft des Planeten gefeilscht wird. Damit jeder stets auf dem gleichen Stand ist, muss regelmäßig in die Delegationen berichtet werden. Auch aus den sogenannten Side Events, die zwar nicht Teil der offiziellen Verhandlungen sind, aber dennoch besucht werden müssen. Ohne ein strenges Veranstaltungsmanagement und viele Helferinnen und Helfer, die sich um Technik, Texte, Sitzungsvorbereitungen oder einfach nur funktionierende Toiletten kümmern, würde die COP nicht funktionieren. Eine Videokonferenz mit 195 Staaten wäre schon alleine der vielen Themen wegen nicht möglich – und vermutlich würde das Telefonnetz hierfür auch nirgendwo ausreichen. Eine Weltklimakonferenz ist eben kein bunter Jahrmarkt, sondern ein verdammt hartes Stück Arbeit – von den Delegationen und Verhandlern, Politikerinnen und Politikern und dem technischen Personal. Und die letzt E-Mail mit dem Protokoll einer Verhandlungsrunde kommt meistens irgendwann nach Mitternacht. Das ist die ganzen zwei Wochen so. Hut ab vor allen, die diesen Marathon mitlaufen.

Von Nina Wettern, BMUB-Pressesprecherin auf der COPIMG_9746 IMG_9749

 

Cyborg? Gibt es wirklich!

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Das praktische bei so großen Konferenzen ist, dass alle Teilnehmende an den einheitlichen (bei der COP23 hellblauen) Bändchen um den Hals zu erkennen sind. Und ganz automatisch wandert der Blick dann gleich neugierig-interessiert zu diesen Gästen aus aller Welt: Woher mögen sie wohl kommen? Fühlen sie sich willkommen? Finden sie sich zurecht? Sicherheitshalber das Lächeln noch eine Stufe hochsetzen.

Und tatsächlich: Die beiden spanisch sprechenden Delegierten im U-Bahnhof Heussallee schauen abwechselnd auf ihr Handy und nach oben auf die Beschilderung. Sie sind unentschlossen, laufen zwischen den beiden Abgängen zu den Gleisen hin und her. Meine Chance: „May I help you?“ Das Lächeln wird erwidert: „Yes, please, Cyborg?!“

Ich frage sicherheitshalber nach – bin ja auch kein Englisch-Muttersprachler und erst ein paar Monate in Bonn. Die Antwort klingt für mich identisch: „Tram to Cyborg. We need to go to Cyborg.“

In meinem Kopf rattert es. Klar, es gibt Klimaskeptiker, -befürworter. Solche, die die Klimaveränderungen runterspielen oder die Klimaanpassungen übertrieben darstellen. Aber so drastische Veränderungen – Maschinenmenschen! – sind mir neu, darüber hatte ich nichts in den Leitungs-Vorbereitungen oder auf der Teilnehmendenliste gelesen. Auch die Polizei hatte keine technisch veränderte Einsatzstaffel erwähnt.

Meine jetzt eigene Verwirrung muss mir anzusehen sein. Die Delegierte hält mir ihr Handy mit der Verkehrs-App hin. Ich bin erleichtert: Siegburg. Die beiden wollen einfach zur Endhaltestelle der 66. Na dann: Bahnsteig B in 8 Minuten.

Verfasser: Joachim Hummel, Referent im COP23-Orga-Team im BMUB

Bei der Eröffnung der COP

Un-Flagge

So ganz scheinen sich die delegierten Staatenvertreterinnen und -vertreter nicht zu trauen: Der große Saal mit dem Namen “New York” füllt sich nur langsam – aber stetig.

Die Presse wartet geduldig, um die Delegationschefs abzulichten, der UNFCCC-Pressesprecher bearbeitet noch ganz entspannt ein paar E-Mails, der BMUB-Fotograf darf noch ein paar Fotos aus der ersten Reihe machen – und nun füllt sich auch das Präsidium: UNFCCC-Chefin Patricia Espinosa, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, der marrokanische COP-Präsident und weitere Gäste treffen ein.

Zu Beginn der offiziellen COP-Eröffnung wird der Staffelstab von Marokko an Fidji übergeben: Der Präsident der COP 22, die 2016 in Marrakesh stattfand, spornt Präsident Bainamarama von der Republik Fidji und die Delegiergen mit einer stolzen Rede über die Leistungen eines agilen Afrikas, die Möglichkeiten einer globalen Klimaweltgemeinschaft im Kontext internationaler Klimapolitik und die Verpflichtung den folgenden Generationen gegenüber an. 2017 in Bonn rückt der Fokus von Afrika auf die besonders verletzlichen kleinen Inselstaaten. Jene Staaten, die bei einem Anstieg des Meeresspiegels im Meer versinken würden – was für Inseln wie Kiribati oder Marshall Islands bereits lebensbedrohliche Realität ist. Das macht die Weltklimakonferenzen spätestens seit Paris so besonders: Die Folgen des Klimawandels sind greifbar, sind gefährlich, Menschen aus besonders verletzlichen Staaten und Regionen werden gehört. Es gibt keine Ausrede mehr dafür, Klimaziele nicht einzuhalten oder um Gradzahlen zu feilschen. Die Verhandlungen sind wichtig, sagt der marokkanische COP-Präsident genauso wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – und: “das Handeln jetzt umso wichtiger”.

Die Übergabe der COP-Präsidentschaft geschieht per Akklamation: Frank Bainamirama leitet von nun an die COP 23. Zum ersten Mal ist ein so kleiner Staat Gastgeber. Es hat sich tatsächlich etwas verändert. Es geht nun wirklich los. Mit einer kraftvollen Zeremonie in Fidji-Tradition.

Verfasserin: Nina Wettern; BMUB-Pressesprecherin bei der COP

Mit dem Fahrrad auf der COP unterwegs

Fahrräder

Gut, dass der Regen pünktlich zum Start der COP aufgehört. So konnte ich trocken von der Bula-Zone  in die Bonn Zone radeln. So viele Rollkoffer hat die Bonner Rheinaue wohl noch nicht gesehen. Der Fahrradleihservice funktioniert und wird angenommen. Nur schade, dass es dort keine Luftpumpe gibt, die könnte mein eigenes Rad gut gebrauchen. Bei meiner Stippvisite in der Orga-Koordinierung im Ministerium konnte ich erfahren: Es läuft gut. Also wieder schnell zurück in die  Bonn-Zone, hier füllt es sich – auch ab den Stände und Pavillons. Auf dem großen Bildschirm wird die Eröffnungsveranstaltung von der Bula-Zone übertragen. Die Zuschauer sind gebannt. Großes Kino zur Rettung des Weltklimas.

Gleich geht es weiter zur Eröffnung des Talanoa Space. Hier können alle Delegierten frei mit einander diskutieren. Ein spannendes Experiment.

Verfasser: Franz Emde; BMUB-Pressesprecher bei der COP

Vor der COP ist schon COP

Über das letzte Geraschel vor der offiziellen Eröffnung hatten wir schon berichtet. Während die Delegationen sich häuslich einrichten, um auf alle Eventualitäten in den Klimaverhandlungen gewappnet zu sein und auf alles reagieren zu können, laufen die ersten Termine. Die meisten davon öffentlich: Die Bauten sind in einem Riesenkraftakt fertig geworden und Staatssekretär Jochen Flasbarth radelte mit der Chefin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, vor die Türen des schlüsselfertigen Konferenzgeländes: Für eine symbolische Schlüsselübergabe – UNFCCC, übernehmen Sie! Zwar ist Deutschland der technische Gastgeber, den Hut für die Weltklimakonferenz hat aber die UN auf.

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Auch der neue Bahnhof “UN-Campus” hat  nach der Ankunft des Trains to Bonn gestern mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks heute noch einmal die endgültigen Weihen von der DB AG, dem Verkehrs- und dem Umweltministerium, der Stadt Bonn und dem Verband der deutschen Verkehrsunternehmen erhalten. Die COP 23 hatte dem ohnehin geplanten Bauvorhaben mächtig Beine gemacht. In strömendem Regen, mit über 100 tapfer ausharrenden Gästen und bei Kaffee und Kuchen unter Zeltdächern. 600 Meter sind es von hier zum Eingang des Konferenzgeländes. Ab morgen fahren die Elektro- und Wasserstoffbusse als kostenlose Shuttles vom Bahnhof zur Bula- und zur Bonn-Zone, die blau bejackten UN-Freiwilligen weisen den Weg durch die Stadt und zur Weltklimakonferenz. Die Linienbusse kommen übrigens aus Stuttgart, Bremen, Bonn und vielen anderen Städten und zeigen: die Zukunft im öffentlichen Nahverkehr hat nicht nur für die COP in Bonn bereits angefangen. Jetzt kann es losgehen.

Von Nina Wettern, BMUB-Pressesprecherin auf der COP 23

Final Countdown bei der COP

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Die Delegationen ziehen heute in ihre Büros. Überall wird noch ein bisschen gehämmert und gesägt, Sachen eingeräumt, die notwendige Kaffeemaschine geliefert, Schreibtische in Startzustand gebracht, Steckdosen nachgeliefert, Passwörter und Codes auswendig gelernt. Der Akkreditierungsdesk summt wie ein Bienenstock. Gerade eingetroffen und voll motiviert sitzen die Kolleginnen und Kollegen aus Finnland, Niederlande, Brasilien, USA, Monaco oder Estland auf der Etage unseres deutschen Delegationsbüros und erobern sich ihre Technik und Räume. Beeindruckend, dass dieses voll funktionsfähige Bürogebäude nach der COP spurlos verschwindet. Weg sind dann die Treppenhäuser, Fahrstühle, schallgeschützte Deckenverkleidungen, Wände, IT, Trinkbrunnen, Toiletten, unzählige Möbel. Und natürlich die lebensrettenden Kaffeemaschinen. Was nicht wiederverwertet werden kann, wird recycelt – Abfallaufkommen und Ressourcenverbrauch dieser COP sollen schließlich so gering gehalten werden, wie möglich. Das scheint verrückt, aber ist machbar – sogar mit Spitzeninternet. Ein bisschen stolz können die Organisatoren und Organisatorinnen darauf sein. Unter denen, die die ganzen Bauten und Büros einfach ab heute einfach nur nutzen wächst jetzt die Spannung und die Vorfreude auf das große Klassentreffen der Klimadiplomatie. Morgen heißt es dann Bula – Willkommen – in Bonn, willkommen auf der COP 23. Möchten Sie einen Kaffee?

Von Nina Wettern, BMUB-Pressesprecherin auf der COP 23

Sie verhandeln für uns und über unser aller Zukunft!

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„Wir, die Klimaretter AG des Droste-Hülshoff-Gymnasiums Berlin, möchten Sie dringend dazu auffordern, sich mit Herzblut und allen verfügbaren Mitteln dafür einzusetzen, dass die COP 23 konkrete Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens erreicht.“ So beginnt der Brief, den die Gymnasiasten aus Zehlendorf an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gerichtet haben. Da eine direkte Übergabe an die Ministerin nicht möglich erschien, nahm ich heute die Petition am Berliner Hauptbahnhof entgegen, um sie mit in den Train to Bonn zu nehmen und an die Ministerin weiterzureichen. Die Klimaretter fordern in ihrem Schreiben eine konsequente Energiewende: “Klimaschutz entscheidet sich am Kohleausstieg!” Zudem verlangen sie eine Wende in der Verkehrspolitik und in der Landwirtschaft. Der Brief endet mit einem eindringlichen Appell an die Bundesumweltministerin, sich von schwierigen Verhandlungspartnern “nicht entmutigen” zu lassen. “Zeigen Sie Haltung für konsequent umgesetzten Klimaschutz und bleiben Sie standhaft! Und vergessen Sie nicht: Sie verhandeln für uns und über unser aller Zukunft!” Liebe Klimaretter, danke für diese Unterstützung. Die Ministerin wird Eure freundlich, aber bestimmt vorgetragenen Worte nicht vergessen!

Von Michael Schroeren, Sprecher der Ministerin und Leiter Presse und Information im BMUB

Jugendliche engagieren sich aktiv für den Klimaschutz

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Jugendliche engagieren sich aktiv für den Klimaschutz – das ist ein gutes Zeichen und macht Mut! Dass es jungen Menschen dabei nicht an Ideen mangelt, zeigt der Jugendreport “Unser Klima! Unsere Zukunft!”. Auf drei zeitgleichen Dialogveranstaltungen hatten rund 200 Jugendliche im Vorfeld der Weltklimakonferenz über Fragen des Klimawandels diskutiert und ihre Empfehlungen für mehr Klimaschutz in einem Bericht zusammengefasst. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat einige Jugend-Delegierte heute persönlich getroffen und sich für das Engagement bedankt: “Nur wenn die Gesellschaft mitwirkt, wird der Kampf gegen den Klimawandel erfolgreich sein. Besonders die junge Generation spielt hier eine wichtige Rolle. Der Bericht erinnert uns auch daran, dass wir auf dem Weg zu einem klimafreundlichen Alltag noch viele Schritte gehen müssen.”

Pressemitteilung vom 04.11.2017

 

Welcome! Bula! Willkommen!

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Immer mehr Delegierte treffen in Bonn ein – und sie sollen sich wohl und willkommen fühlen. Daher haben wir am Flughafen Köln/Bonn und wichtigen Ankunftsbahnhöfen in und um Bonn Banner, Fahnen, Aufkleber und Roll-Ups gehisst, installiert und aufgestellt, die alle Teilnehmenden begrüßen. Mit dem farbigen Dreiklang “Welcome! Bula! Willkommen!” stimmen wir auf die Konferenz ein und spielen gleichzeitig mit der besonderen Konstellation bei der COP 23: eine UN-Konferenz unter fidschianischer Präsidentschaft und Deutschland als technischem Gastgeber.

“Bula” ist übrigens ein wunderbares Universalwort auf den Fidschi-Inseln: Neben “willkommen” oder einfach “hallo” bedeutet es auch “prost”. Na dann: Bula!

Den Klimawandel fühlen

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“Landscapes of loss”/”Verschwindende Landschaften” – eine lyrische Bezeichnung für eine Aktion eines Bundesumweltministeriums. Geht es sonst um Grad Celsius, Tonnen CO2, Mikrogramm Schadstoffe oder Euro Fördergelder, laden dieses Wochenende andere Kategorien zum Nachdenken über Umwelt, Natur und Klima ein.

Wer vom 3. bis 5. November das Ministerium in der Stresemannstraße besucht, taucht in Foyer und Lichthof in eine andere, langsamere Zeit ein. Videokunst, Fotografien und Skulpturen von zehn internationalen Künstlerinnen und Künstlern  vermitteln Spuren der Menschen in Natur und Umwelt. Wer sich darauf einlässt, wird eine visuelle Reise vom sterbenden Great Barrier Reef zu Pandabären, von der Wüste zum Plastikmüll der Ozeane machen können. Art Berlin bezeichnet diese Ausstellung “als Gegenmittel zur Hyper-Unmittelbarkeit des Lebens, das wir leben”. Und so ganz unrecht haben sie nicht – wenn man sich darauf einlässt funktioniert es. So bleiben vom Menschen die Spuren in der Natur und die Kunst, wenn er vergeht.

Die Einweihung war jedenfalls ein schöner Erfolg. Und der Beweis dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel nicht nur an berechenbare Zahlenwerte Wirkung in den Köpfen erzeugen kann. Das Bundesumweltministerium zeigt die Ausstellung “Verschwindende Landschaften/ Landscapes of Loss” teilweise auch während der Weltklimakonferenz in Bonn.

Mehr Informationen:

BMUB-Ausstellungsseite

Momentum

Art Berlin