COP 23: Um diese Inhalte geht es jetzt

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Die zweite Woche startete mit einem wichtigen Side Event: “Advancing Climate Action on the Local Level – Best practices from China and Germany (The Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Building and Nuclear Safety (BMUB); Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), ICLEI).”

Auch die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter ist mittlerweile eingetroffen. Sie wird heute ein spannendes Projekt zum Modell der Schwammstadt vorstellen, eine Form der Starkregenbewältigung, wie es derzeit in Bremen ausprobiert wird.

Ansonsten geht es ganz gut voran bei den Verhandlungen – außer – wie es schon immer war – bei “Loss and Damage”. Beim Global Stocktake – der Bestandsaufnahme zu den Minderungsbemühungen der Staaten – und bei den Transparenzregeln – zum Beispiel wichtig für die einheitliche Messung von CO2 – gibt es schon ausführlichere Texte, die bis zum Mitte der Woche abgestimmt werden müssen.

Für den Global Stocktake liegt jetzt ein Entwurf vor, der schon eine detaillierte Schrittfolge beim Vorgehen enthält. Fraglich ist hier, wann dieser Stocktake losgehen soll und ob er eine ausreichende Vorbereitungsphase vorsieht oder nicht. Falls nicht, bestünde eventuell die Gefahrhieße, dass die Datensammlung für die Treibhausgasemissionen lückenhaft wird und auch nicht genug Zeit bliebe, um diese nachzubessern.

Bei den Transparenzregeln ist derzeit vorgesehen, dass es bzgl. der Berichtspflichten zu den Treibhausgasen keinen echten Unterschied mehr zwischen Ländern des Nordens und Südens gibt, was Letzteren nicht so gut gefällt. Hier gibt es noch Verhandlungsbedarf.

Von diesen Ergebnissen kann man sich im Detail selbst ein Bild machen: http://unfccc.int/bodies/apa/items/10159.php

Erster Erfolg: Der Gender Action Plan ist fertig gestellt:
Gleiche Anzahl männlicher und weiblicher Delegierte, eine Art Doppelbesetzung Mann/Frau muss eingeführt werden bei bestimmten Funktionen und Ämtern in den Verhandlungen, Monitoring der Fortschritte im Genderbereich. Die Interessen der Indigenen Bevölkerung sollen zudem mit einer Expertengruppe aus deren Vertretern und Vertretern der Vertragsparteien abgesichert wenden, die die Verhandlungen begleitet. Beide Themen liegen der fidschianischen Präsidentschaft sehr am Herzen.

Und was machen die Bonner? Die stehen auch zum Teil schon mal Schlange: Im Climate Planet – Zelt in der Bonner Rheinaue jedenfalls – dem Eventraum für die Bürger*innen. Da gab es bisher 10.000 Besucher*innen, vor allem letztes Wochenende war das Interesse hier groß. Wer in Bonn ist, kann natürlich auch täglich in die Klima-Lounge des Wuppertal-Instituts gehen und sich dort direkt über den aktuellen Verhandlungsstand informieren lassen oder aktuelle Klimathemen mit Fachleuten diskutieren: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4033/

Von Stephan Haufe, BMUB-Pressesprecher auf der COP23

Halbzeit bei der COP 23

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Und was passiert in der zweiten Woche?

Heute startet die zweite Woche der Weltklimakonferenz. Der Rückblick auf die erste Woche erlaubt folgendes Fazit: Die Bonnerinnen und Bonner haben sich als hervorragende Gastgeber gezeigt – es wird von vielen sehr freundlichen Begegnungen und einer tollen Atmosphäre in der Stadt berichtet. Bewährt hat sich auch das Konzept „eine Konferenz – zwei Zonen“. Mit rund 9000 Plätzen konnte den NGO Vertretern verteilt über beide Zonen ein mehr als doppelt so großes Kontingent zur Verfügung gestellt werden wie bei vergangenen Konferenzen. Das ist wichtig: Denn die kritische Begleitung und die Impulse aus der Zivilgesellschaft sind ausdrücklich erwünscht. Die gut besuchte Bonn-Zone mit ihren hunderten Veranstaltungen zeigt, dass sich die Idee bewährt hat, neben dem Verhandeln auch das Handeln zu stärken.

Auch die Ministerin zog heute Morgen eine positive Bilanz: „Die Konferenz verläuft bisher einwandfrei“, sagte Hendricks auf einer Pressekonferenz in Bonn. Allen Verhandlungsparteien sei an einem konzentrierten Ablauf gelegen. Nach all den guten Vorzeichen bislang freue sie sich auf die zweite Konferenzwoche, in der unter anderem der Bundespräsident, die Kanzlerin und der französische Staatspräsident erwartet würden.

Mit dem Beginn der zweiten Woche gehen die Verhandlungen auf Arbeitsebene zu Ende und die Verhandlungen auf Ministerebene beginnen. Als ein wichtiges Thema hat sich bis jetzt die Frage herauskristallisiert, welche Verpflichtungen die Industrieländer vor dem Jahr 2020 eingehen – das Klimaschutzabkommen von Paris formuliert erst Ziele ab dem Jahr 2020. Viele Entwicklungsländer fordern, das Thema zu einem formellen Verhandlungsgegenstand zu machen.

Deutschland verstehe das Anliegen, das dahinterstecke, sagte Barbara Hendricks. Die Entwicklungsländer fordern von den Industrieländern ein klares Signal, dass sie ihre eigenen Verpflichtungen ernst nehmen. Gleichzeitig sei aber wichtig, dass die Verhandlungen nicht überfrachtet würden. Dazu sagte die Bundesumweltministerin: „Ich möchte deshalb ein ganz klares Signal senden, dass Deutschland und die EU ihre Verpflichtungen einhalten. Wir als EU haben im Vergleich zu 1990 unsere Emissionen um 23 Prozent reduziert, während die Wirtschaft um 53 Prozent gewachsen ist. Das gilt auch für das Ziel, ab 2020 100 Milliarden Dollar jährlich für die Entwicklungsländer zur Verfügung stehen. Die EU hat 2016 über 20 Milliarden Euro mobilisiert, Deutschland ist mit 8,5 Milliarden Euro der größte Geber.“

Ziel Deutschlands sei es außerdem, ein klares Signal an Fidschi und die kleinen Inselstaaten zu senden, dass auch über diese Konferenz hinaus die Anliegen der kleinen Inselstaaten im Fokus der Staatengemeinschaft blieben und sie unterstützt würden.

Die Zusammenarbeit mit Ländern wie den Marshall Inseln sei Deutschland dabei sehr wichtig. Das Land habe sich zu einem sehr ambitionierten nationalen Klimaschutzbeitrag  verpflichtet. „Wir wollen sie dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen“, sagte Bundesumweltministerin Hendricks in Bonn.

In diesem Sinne hoffen wir auf weiterhin erfolgreiche Verhandlungen in der zweiten Woche!

Kooperation mit Marshall Islands

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Mit einer durchschnittlichen Höhe von max. zwei Metern über dem Meeresspiegel sind die Marshall Islands besonders gefährdet durch Meeresspiegelanstieg, Stürme und starke Regenfälle. Mangel an Trinkwasser, Trockenheit und Ernteausfälle verstärken die ohnehin große Abhängigkeit von Importen. Die nationale Energieversorgung stammt zu 90% aus Importen.

Die Kooperation zwischen dem BMUB und den Marshallinseln deckt die Themenbereiche Minderung, Anpassung und den Erhalt der biologischen Vielfalt ab und bearbeiten somit die zentralen umweltpolitischen Herausforderungen.

Zusammenarbeit bei nationalen Klimaschutzbeiträgen

Die Marshall-Inseln haben sich sehr ambitionierte Klimaziele gesetzt. Zum Beispiel will das Land seinen Energiebedarf zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien decken. Deutschland unterstützt Entwicklungsländer bei der Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) über die sogenannte NDC-Partnerschaft. In Konsultationen zwischen den Regierungen und Gebern, Entwicklungsbanken und Durchführungsorganisationen vor Ort werden dabei der Unterstützungsbedarf des Landes und entsprechende Beratungsleistungen erörtert, priorisiert und ein gemeinsamer Arbeitsplan erarbeitet.

Weiterhin ist auf der COP23 die Gründung eines NDC Pacific Hub angekündigt worden, das durch das BMZ gefördert wird. In diesem Zentrum arbeiten die pazifischen Inselstaaten mit Unterstützung der GIZ zusammen, um die NDC-Umsetzung regional im pazifischen Raum zu fördern.

Projekt zu emissionsarmer Seeschifffahrt

Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) fördert das BMUB ein großes Projekt zu emissionsarmer Seeschifffahrt begonnen, welches die Reduktion der THG-Emissionen aus dem nationalen Seeverkehr zum Ziel hat. Der Seeverkehr ist essentiell für alle wirtschaftlichen Aktivitäten in den Marshall-Inseln, der größte Kostenfaktor bei der Umsetzung staatlicher Programme. Er ist außerdem der größte Verbraucher fossiler Brennstoffe und damit die größte Quelle der Treibhausgasemissionen des Landes. In dem Projekt sollen zunächst alternative kohlenstoffarme Antriebstechniken für Schiffe in der Region geprüft und in einem zweiten Schritt ein Schiff mit der ausgewählten Technik ausgestattet werden. Das Projekt soll eine Signalwirkung für die Umstellung auf einen kohlenstoffarmen Seetransport in anderen Inselstaaten der Region entfalten.

Als Land mit dem weltweit drittgrößten Schiffsregister ist MHL zudem maßgeblich an der Debatte zur Emissionsreduktion bei der International Maritime Organisation (IMO) beteiligt. Das Projekt mit MHL ist daher auch als Unterstützung bei den Verhandlungen im Rahmen der IMO zur Entwicklung einer Roadmap zur Reduktion von THG-Emissionen im Schiffsverkehr wichtig.

Die Ergebnisse des IKI-Projektes sollen auch in die Arbeit des Micronesian Sustainable Shipping Center (MSSC) einfließen, das die Marshall Islands gemeinsam mit der University of South Parific gegründet haben. Dieses Center soll erforschen, wie der Verkehr zwischen den Inseln nachhaltiger und klimafreundlicher werden kann. Die Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs war ein wesentliches Anliegen des früheren Außenministers Tony de Brum, der geistiger Vater sowohl des Zentrums als auch der bilateralen Zusammenarbeit mit Deutschland zu diesem Thema ist. Deshalb hat Bundesministerin Hendricks angeregt, das MSSC nach Tony de Brum zu benennen.

Das Projekt „Emissionsarme Schifffahrt“ wird aktuell mit 9,5 Mio. Euro gefördert, die ausschließlich den Marshall-Inseln zugutekommen.

Anpassung an den Klimawandel

Weiterhin arbeitet die IKI mit einem Projekt zu ökosystembasierter Anpassung (EbA – Ecosystem-Based Adaptation) in den Marshallinseln und anderen nordpazifischen Inselstaaten. Besonders vom Klimawandel bedrohte Gemeinden werden dabei unterstützt, Küstenerosion zu reduzieren und die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Gesunde, intakte Ökosysteme sind hierbei der Schlüssel für Widerstandsfähigkeit. Die EbA-Maßnahmen werden in zehn Pilotgemeinden erprobt und ihre Wirksamkeit systematisch gemessen.

Wissen und Aufklärung sind hierbei von hoher Wichtigkeit – in einem weiteren Projekt werden sogenannte „Conservation Fellows“ ausgebildet, die die Einrichtung von marinen Schutzgebieten und das Fischereimanagement vor Ort beraten und voranbringen können.

Die beiden Projekte haben ein Gesamtfördervolumen von 7,3 Mio. Euro, die mehreren Ländern zu Gute kommt.

Links

Internationale Klimaschutzinitiative: www.international-climate-initiative.com/de/

NDC Partnerschaft: www.ndcpartnership.org

Bei der NGO-Party

fiji_marching_police_orchestra_lp_1200_crDie COP23 hat gestern getanzt. Genau genommen haben die Nichtregierungsorganisationen ihre traditionelle Halbzeitparty geschmissen. Mit dem Versprechen von COP-erfahreneren Kollegen, dass diese Partys legendär seien, haben wir uns aufgemacht, den Wahrheitsgehalt dieser Ankündigung zu überprüfen. Angefangen hatte der Abend schon gut auf dem Empfang des Bonner Oberbürgermeisters Ashok Sridharan in der Bundeskunsthalle. Sridharan hatte die Städte und Kommunen, die heute auf der COP 23 ihren ICLEI-Gipfel haben, eingeladen. Mit dem Fiji Marching Police Orchestra und Arnold Schwarzenegger. Der Governator schwebte samt Entourage ein, hörte Bernadette La Hengsts COP-Schlager und entschwand wieder durch eine Wolke aufgeregter Fans, die sich nicht zwischen Buffet und Arnie-Selfie entscheiden konnten. Arnold hat natürlich gewonnen.

Von einer ehemaligen Leinwand- und heute Umweltlegende also zur angeblich legendären Party der Verbände und Organisationen. Den Titel tragen diese Partys übrigens zu Recht. Das Bonner Redüttchen jedenfalls platzte vor lauter partywütigen, netzwerkenden, weiterdiskutierenden, flirtenden und tanzenden Klimaaktivisten, Verbändechefinnen und -chefs und Delegierten aus allen Nähten. So etwas muss sein: Die Verhandlungstage und Workshops von morgens früh bis Abends spät lassen kaum Luft für Entspannung. Da kommt so ein Event gerade Recht, um ein bisschen vom Ernst der klimapolitischen Weltlage abzulenken. Kein Scherz – Klima- und Umweltpolitik sind längst in den harten Ebenen von Politik, Wirtschaft und  Diplomatie angekommen. Also tanzte WWF-Chef Manuel Pulgar Vidal mit Delegationen aus aller Welt, während sich finnische und deutsche Mitarbeiterinnen aus den jeweiligen Umweltministerien an die harten Verhandlungen zum Klimaanpassungsfonds erinnern – bevor auch sie vom Beat der richtig guten Band und später auch dem DJ auf die Tanzfläche gezogen werden. Wieder einmal zeigt sich: Dem Ernst der Arbeit tut ein bisschen Ausgelassenheit sehr gut – der Visitenkartenindustrie auch. Netzwerken at its best eben. Und das bis morgens um fünf.

Am Sonntagmorgen ist dann auch niemand verwundert, dass erst einmal fast nur die 800 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in der Bonn-Zone auftauchen, aber viele Länderpavillons unbesetzt sind. Gehegt und umsorgt von einigen zerknitterten aber gut gelaunten Gesichtern, die gestern mitgefeiert haben. Die Bula-Zone mit den Delegationsbüros und Verhandlungsräumen bleibt heute sogar ganz geschlossen. Pause für die Köpfe. Dieser Tag gehört ganz den Kommunen und Regionen, bevor es in die zweite Halbzeit der COP 23 geht, in der nun die Verhandlungsergebnisse der staatlichen Klimaexpertinnen und -experten auf politischer Ebene weiter diskutiert werden.

Der COP 23 Samstag in Bonn

Bunter geht es irgendwie nicht. Trotz Dauerregen versammeln sich rund 3000 Karnevalsjecken auf dem Bonner Marktplatz. Hier scheint das Motto „bunt“, trotz grauem Novembertag. Oberbürgermeister Ashok Sridharan begrüßte auch viele Delegierte auf Englisch und schunkelte mit den beiden Bonner Tollitäten Alexandra III und Prinz Dirk II zu Karnevalsmusik. Nicht weit entfernt sammelten sich Teilnehmer der Demonstration “Schluss mit dem faulen Zauber – Wir treiben die bösen Geister des Klimawandels aus”. Rund tausend Teilnehmer demonstrierten friedlich für schnellere Fortschritte gegen den Klimawandel. Der Demonstrationszug mit karnevalistischen Elementen bewegte sich vom Kaiserplatz über die Willy-Brandt-Allee in Richtung Konferenzgelände. Das 100 m lange Transparent, das ursprünglich an der Südbrücke aufgehängt werden sollte, wurde kurzerhand von Demonstranten durch die Stadt getragen.

Auch die zweite Demo verläuft friedlich und bunt. Klimaschutz und Karneval scheinen keine Gegensätze zu sein. So feiert man gemeinsam für den Klimaschutz. Gleich wird auf der COP 23 in der Bonn Zone eine Abordnung der Beueler Stadtsoldaten erwartet. Mal sehen, wie hier das rheinische Brauchtum ankommt. Die Frage ist: Sind Rheinländer ein indigenes Volk?

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Von Franz Emde, COP-Pressesprecher

Ausflug in die Klimawissenschaft

kuenstliche_sonne_kp_1200_crDeutschland als Vorreiter in Sachen Klimaschutz? Das wird dieser Tage und angesichts des möglichen Verfehlens deutscher Klimaziele häufiger vermutet. Ohne Frage, die Republik muss sich noch deutlich stärker anstrengen, wenn sie ihre eigenen Ziele, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen und ihren Anspruch an die Führungsrolle in Sachen Klimaschutz glaubwürdig wahrnehmen will. Allen Zweiflern und Kritikern sei aber gesagt: Das Potenzial ist da. Das machen nicht nur die Klimapolitiker und engagierten NGOs auf der COP23 deutlich. Das zeigen auch die vielen guten Beispiele, zu denen die Energieagentur NRW im Rahmen der Weltklimakonferenz Journalist*innen und Delegierte einlädt. Eine davon fand am Freitag statt und hat auch Bundesumweltministerin Hendricks inspiriert mitzufahren: Hightech und Forschung für das Klima von Weltrang standen hatten rund 40 Teilnehmende in den Bus nach Jülich gelockt. Ziel der Exkursion war zum einen das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Solarthermische Kraftwerk und die größte künstliche Sonne der Welt „Synlight“ in Jülich. An beiden Forschungsanlagen wird zu einer CO2-freien Herstellung von Wasserstoff geforscht. Und die Wissenschaftler haben tatsächlich eine sagenhafte und aufregende Konstruktion gebaut. Viele Spiegel, die Licht so konzentrieren, dass ausreichend Energie für den chemischen Prozess erzeugt wird.

Das Klima und die Luftqualität standen auch bei der zweiten Station der Reise im Fokus. Am Institut für Energie- und Klimaforschung untersuchen Wissenschaftler/-innen des Forschungszentrums Jülich physikalische und chemische Prozesse in der Atmosphäre sowie ihre Wechselwirkungen im gesamten Klimageschehen. Das tun sie in einer stationären Forschungsanlage auf dem Campus der Großforschungsanlage. Und sie tun es in Kooperation mit Fluglinien, um weltweit die Luft untersuchen zu können. Auch das riesige Rechenzentrum wird genutzt, um in den Kleinbus großen Computerschränken Wolkenströme zu simulieren. Für Nichtwissenschaftler fast schon eine Spur zu abstrakt – wenn die Forscher nicht immer wieder ein Beispielbild vermitteln konnten, damit Laien hinterherkamen. Champion der Fragensteller war denn auch die Ministerin, die allerdings offenbar schon einen gewaltigen Wissensvorsprung vor den anderen Mitreisenden hatte. Aber die Kolleginnen und Kollegen aus Japan, Peru, Indien, USA, Hongkong, Berlin und Bonn hatten mächtig viel Spaß an der aufregenden Technik. Oder wie es eine amerikanische Wissenschaftlerin am Ende des Trips einem Journalisten mit leuchtenden Augen erzählte: Wow, das war wie in einem riesengroßen Nerd-Spielzeugladen!

www.energieagentur.nrw/klimaschutz/exkursionen-cop23/reise4

“Macht was. Es ist unsere Zukunft!”

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Es tut gut, einmal für kurze Zeit das Konferenzgelände zu verlassen. Nicole Wilke, dt. Chefverhandlerin nutzt ihre Mittagspause und fährt zum St. Adelheid Gymnasium in Bonn-Beuel, um mit rund 30 Schülerinnen über die aktuellen Klimaverhandlungen zu diskutieren.

Begleitet wird sie von einem Jugenddelegierten von den Seychellen, Rene Kieselhorst, und einer NGO-Beobachterin der grünen Jugend Laura Ehrich. Während Nicole Wilke plastisch vom Konferenzalltag berichtet, erzählen die Jugenddelegierten ihre Sicht der Dinge. Das ist für die jungen Frauen zwischen 15 und 18 Jahren sehr authentisch und spannend. Sie haben sich auf den ungewöhnlichen Besuch gut vorbereitet. Drei Fragen lagen ihnen besonders auf dem Herzen: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Tiere? Wie kann ich mich engagieren? Wie kann ich persönlich CO2 reduzieren? Wichtige Fragen, die eigentlich jeden Menschen interessieren sollten. Unglaublich, wie schnell plötzlich 90 Minuten vorbei sind. Dabei wurde eine Menge Bälle in Form von Kommentaren versenkt und wirklich beeindruckt fuhren wir wieder zurück, ins Konferenzgetümmel die Welt retten. Aber der Arbeitsauftrag der Schülerinnen war ziemlich eindeutig. Es ist unsere Zukunft: Macht was und redet nicht nur….

Von Franz Emde, BMUB-Pressereferent

Klimawandel in der Region Bonn

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Die Niederschläge im Niederrheinischen Tiefland sind mit 700 mm bis 750 mm pro Jahr vergleichsweise gering. In der Niederrheinischen Bucht werden aufgrund der Leelage zur Eifel sogar weniger als 700 mm pro Jahr gemessen, in der Zülpicher Börde unter 600 mm. Mit einer mittleren Jahrestemperatur von meist über 10 °C herrscht insbesondere im Rheintal ein warmes Klima mit milden Wintern und einer langen Vegetationsperiode. Im Niederrheinischen Tiefland findet sowohl Grünlandbewirtschaftung als auch Ackerlandbau statt. Größere Waldkomplexe sind nur lokal vorhanden. In der typischen Bördelandschaft der Kölner Bucht dominiert der Ackerbau, Grünland ist weitgehend auf die Flussauen beschränkt und inzwischen stark zurückgedrängt. Wald in nennenswerter Ausdehnung findet sich nur auf der Bergischen Heideterrasse und in Teilen der Ville.

Bereits beobachtete Klimaänderungen

Im Vergleich der Zeiträume 1951-1980 und 1981-2010 ist die Temperatur in NRW flächendeckend angestiegen, im Mittel um etwa 0,6 °C.

Die Entwicklung im Niederrheinischen Tiefland und der Niederrheinischen Bucht entspricht diesem Trend. Bei den Kenntagen zeigt sich größtenteils ebenfalls eine dem Landesdurchschnitt entsprechende Entwicklung; nur der nördliche Teil des Niederrheinischen Tieflands an der Grenze zu den Niederlanden hat sich überdurchschnittlich erwärmt. Die heißen Tage haben mit etwa 5 Tagen überdurchschnittlich stark zugenommen, die Eistage mit über 5 Tagen überdurchschnittlich stark abgenommen.

Die Jahresniederschläge haben in der Niederrheinischen Bucht und dem Niederrheinischen Tiefland dem Landesdurchschnitt entsprechend zugenommen. Der Anstieg bleibt in weiten Teilen der Niederrheinischen Bucht sowie im Süden des Niederrheinischen Tieflands aber mit unter 50 mm Zunahme hinter dem NRW-Durchschnitt von über 60 mm zurück.

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Zu erwartende Klimaänderungen

Für die Zukunft ist in der Niederrheinischen Bucht und dem Niederrheinischen Tiefland eine dem Landestrend entsprechende Temperaturentwicklung zu erkennen.

Aufgrund der bereits heute wärmeren Temperaturen ist zu erwarten, dass am Niederrhein die höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen zu verzeichnen sein werden.

Landwirtschaft

In beiden Großlandschaften ist ein starker Trend zu einer Verlängerung der frostfreien Phase zu erkennen, d.h. es ist ein deutlich früheres Ende der Spätfröste und ein späteres Einsetzen der Frühfröste zu erwarten. Dies kann sich positiv auf die Landwirtschaft auswirken, allerdings spielen weitere Einflussfaktoren, wie eine ausreichende Wasserverfügbarkeit, für die Ertragssituation eine Rolle. Gerade in den wärmebegünstigten Lagen des Niederrheinischen Tieflands und der Niederrheinischen Bucht wird in Zukunft eine ausreichende Wasserversorgung an Bedeutung gewinnen.

Biologische Vielfalt und Naturschutz

Für sensitive Feuchtlebensräume, z. B. die Nass- und Feuchtgrünlandbiotope am Rhein bzw. seinen ehemaligen Rinnensystemen oder die Bruch- und Sumpfwälder sowie die Moore der Schwalm-Nette-Region, wird sich durch die zu erwartenden klimatischen Änderungen die Anfälligkeit erhöhen, da Moore insbesondere Kälte und Feuchte liebende Pflanzen beheimaten. Wenn Moore trocken fallen werden Treibhausgase freigesetzt, die seit Jahrtausenden in den Böden gespeichert sind und schädigen zusätzlich das Klima.

https://www.umwelt.nrw.de/umwelt/klimawandel-und-anpassung/klimawandel-folgen-in-ausgewaehlten-sektoren/

Städte und Ballungsräume in NRW

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste und am dichtesten besiedelte Bundesland Deutschlands. Über 8 Millionen Menschen leben in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, wobei eine außergewöhnlich hohe Konzentration von dicht besiedelten, verstädterten Gebieten im Rhein-Ruhr-Raum vorzufinden ist.

Hier werden die klimatischen Effekte des derzeitigen Klimas und mögliche zukünftige Auswirkungen auf Städte und Ballungsräume ähnlich den Großlandschaften beschrieben. Die Aussagen gelten dabei über die naturräumlichen Großräume hinweg für Großstädte zum Beispiel in der Westfälischen Bucht (Essen, Bochum und Dortmund), im Niederrheinischen Tiefland (Düsseldorf und Duisburg) sowie in der Niederrheinischen Bucht (Köln und Bonn).

Quelle: LANUV-Fachbericht Klimawandel und Klimafolgen 2016

Einfluss der städtischen Bebauung auf das Klima

Städtische Gebiete mit hoher Bebauungs- und Bevölkerungsdichte sowie hohem Versiegelungsgrad weisen durchschnittlich höhere Temperaturen auf, als das weniger dicht bebaute Umland – es bilden sich sogenannte städtische Wärmeinseln. Ein solches 11 Temperaturgefälle, welches bis über 10 Celsius betragen kann, entsteht durch den höheren städtischen Energieverbrauch beispielsweise durch Verkehr und Gebäude. Außerdem bietet die städtische Bebauung eine größere Oberfläche zur Wärmespeicherung. Darüber hinaus werden die höheren Temperaturen in der Stadt durch eine geringere Luftzufuhr sowie eine verminderte Verdunstung von Wasser durch Pflanzen und die damit verbundene geringere kühlende Wirkung verursacht. Die Wärmeinseln bilden sich insbesondere während sommerlicher Hochdruckwetterlagen und sind in den frühen Nachtstunden besonders ausgeprägt.

Städte und Klimawandel

In den dicht bebauten Ballungszentren Nordrhein-Westfalens können einige Auswirkungen des Klimawandels bereits beobachtet werden; auch zukünftig werden einige Folgen des Klimawandels dort besonders deutlich zu spüren sein.

Die stärksten Betroffenheiten lösen in den Ballungszentren und Großstädten Nordrhein-Westfalens die Hitzeperioden aus. Hitzebelastung wirkt sich vor allem auf das Herz-Kreislauf-System aus, besonders ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter der Hitze. In Bochum kann eine Zunahme der mittleren städtischen Wärmeinselintensität im Sommer in den Aufzeichnung seit 1997 nachgewiesen werden. Darüber hinaus zeigten Untersuchungen in den Städten Bochum, Bonn und Köln, dass an innerstädtischen Messstationen vor allem während Hitzesommern (zum Beispiel 2006, 2010, 2013 und 2015) häufiger Sommertage (Tage mit einem Temperaturmaximum über 25 °C) und Tropennächte (Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C absinkt) verzeichnet wurden als im Umland. Die Anzahl und Dauer von Hitzewellen (mindestens drei aufeinanderfolgende Tage mit einer Maximaltemperatur über 30 °C) war in den genannten Städten ebenfalls höher als im Umland. In weitere Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Wärmebelastung in Düsseldorf und an der Station Köln-Bonn im Vergleich der Zeiträume 1971-2000 und 1981-2010 angestiegen ist. Der Klimawandel wird den Wärmeinsel-Effekt und die damit verbundene Belastung in Städten und Ballungsräumen durch zunehmende Hitze noch weiter verstärken.

Die zukünftig erwartete Hitzebelastung in Nordrhein-Westfalen entsteht nicht nur durch den generell projizierten Anstieg der mittleren Temperatur, sondern vor allem dadurch, dass es häufiger besonders heiße Tage im Sommer geben wird. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass sommerliche Hitzewellen nicht nur eine höhere maximale Temperatur aufweisen, sondern auch häufiger werden und über einen längeren Zeitraum andauern können. Zudem werden die Menschen durch Hitzewellen, die sehr früh im Jahr auftreten, stärker beeinträchtigt, da sich der Organismus noch nicht an die höheren Sommertemperaturen angepasst hat.

Infolge des Klimawandels verändert sich auch die räumliche und zeitliche Verteilung von Niederschlägen. Neben dem Trend zu geringeren Sommerniederschlägen und höheren Niederschlägen im Winterhalbjahr nehmen auch die Bandbreite der Niederschläge und damit die Häufigkeit von Niederschlagsextremen zu. Durch Starkregen und Hochwasserereignisse sowie Trockenperioden im Sommer entsteht eine wachsende Gefährdung für Siedlungsbereiche in Nordrhein-Westfalen. Starkregen können zu Überlastungen der Entwässerungssysteme und zu Binnenhochwässern mit Überschwemmungen führen. Es ist in Zukunft mit einer Zunahme von Gebäude- und Infrastrukturschäden durch Starkregenereignisse zu rechnen, wobei der hohe Versiegelungsgrad in den Städten und Ballungsräumen die Verwundbarkeit von Siedlungsstrukturen gegenüber Sturzregen erhöht.

https://www.umwelt.nrw.de/umwelt/klimawandel-und-anpassung/klimawandel-folgen-in-ausgewaehlten-sektoren/

Die “Bonn-Challenge”

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Der ambitionierte Kampf zum Erhalt der Wälder
Die Stadt Bonn ist mit einem wichtigen Erfolg der internationalen Umweltpolitik verbunden: der so­genannten „Bonn Challenge“, einem internationalen Programm, das sich dem Erhalt und dem Wie­der­aufbau von Wäldern widmet. Die Bonn Challenge wurde im September 2011 auf einem Minister­treffen in Bonn initiiert, das die deutsche Regierung gemeinsam mit der internationalen Naturschutz­union IUCN (International Union for Conservation of Nature) und der GPFLR (Global Partnership on Forest and Landscape Restoration) ausrichtete. Dank der 2011 gegründeten Initiative ist das Thema „Wiederaufbau von Wäldern“ aus der Nische weltweit in das klimapolitische Rampen­licht gerückt.

Was macht die Wiederherstellung von Wäldern zur Bonner Herausforderung?

Die Bonn Challenge ist die umfassendste Initiative zur Renaturierung weltweit. Sie vereint eine Grup­pe engagierter Staaten wie Indonesien, China, Brasilien, Costa Rica oder Südkorea mit Geberlän­dern wie Deutschland und Norwegen, engagierten Unternehmen und Organisationen. Die Bonn Challenge zielt darauf ab, bis zum Jahr 2020 insgesamt 150 Millionen Hektar und bis 2030 mindes­tens 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche weltweit wiederher­zu­stellen. Dies ist eine Fläche, die ungefähr viermal der Landesfläche der Bundesrepublik Deutschland ent­spricht. Erstmalig wurden mit der Initiative zwei wichtige Anliegen der Staatengemeinschaft strate­gisch verknüpft: der Schutz der Biodiversität  und der Schutz des Klimas. Dazu gehört auch das Ziel,  bis 2030 die Entwal­dung durch die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten (v.a. Palmöl. Papier, Rindfleisch) zu stoppen.

Gibt es bereits erste Erfolge?

Bereits in diesem Jahr hat die Bonn Challenge ein wichtiges Etappenziel erreicht: Es gibt inzwischen Zusagen von Ländern für den Wiederaufbau von 150 Millionen Hektar Wald. Außerdem hat sich die Idee von Bonn aus in die wichtigen Waldregionen der Welt verbreitet und wird dort weiterverfolgt: Mit einer Bonn Challenge Regionalkonferenz für Asien in Palembang, Indonesien. Auch in Lateiname­rika hat ein umfassender Regionalisierungsprozess eingesetzt. Der waldreiche Staat Honduras ist beispielsweise nach El Salvador (2015) und Panama (2016) das dritte Land Zentralamerikas, das mit der Bonn Challenge den Wiederaufbau seiner Wälder ambitioniert vorantreiben will. Dafür startet das Land das „Eine Millionen Hektar-Programm“. In Afrika arbeiten unter anderem Äthiopien und Liberia an der „Great Green Wall Initiative“, die mit wiederaufgebauten Wäldern die Ausbreitung der Sahara eindämmen soll. Aktuell haben bisher bereits 26 Länder Nationale Untersuchungen abge­schlossen, innerhalb derer sie das Potenzial für den Wiederaufbau von Wäldern identifiziert haben und darauf aufbauend Nationale Programme und Strategien beschlossen haben.

Die Zusagen zur Bonn Challenge von den Ländern werden in ihre nationalen Klimareduktionsver­pflichtungen und damit den „Nationally Determined Contributions NDC“ übernommen. Damit werden die Zusagen der Bonn Challenge Teil des Pariser Klimaabkommens und Bestandteil des globalen Klimaschutzziels.

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Quelle: IUCN, 2017

Wo der Wiederaufbau in den Ländern stattfindet soll u.a. mit Hilfe eines über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des BMUB geförderten Vorhabens – dem Bonn Challenge Barometer“ – für eine erste Auswahl von Ländern (u.a. Brasilien, Indonesien, Ruanda, El Salvador) erfasst werden. Erste Ergebnisse werden 2018 erwartet.

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Welche Rolle spielt der Wald für das Klima?

Der Großteil der Entwaldung findet in den Tropen und Subtropen statt, aber auch im borealen Raum (Russland, Kanada) gibt es bedeutende Waldverluste. Etwa die Fläche von zwei Fußballfeldern wird pro Minute irgendwo auf der Welt gerodet. Diese Entwaldungsrate trägt etwa 10 bis 15 Prozent zu den globalen CO2-Emissionsbelastungen bei. Zwar werden jährlich auch etwa 8 Millionen Hektar wieder aufgeforstet – allerdings überwiegend als artenarme, ökologisch bedenkliche Plantagen (z.B. aus Eukalyptus oder Kiefernarten). Die Biodiversität der globalen Wälder nimmt durch die fortschrei­tende Entwaldung rapide ab (etwa 70 Prozent der Arten weltweit leben in den sog. Megadiversitäts­ländern der Tropen und Subtropen und hier in erster Linie in den artenreichen Tropenwäldern). Schätzungen beziffern den jährlichen Verlust an „Ökosystemleistungen durch Degradierung“ zwi­schen 4,3 und 20,2 Billionen US Dollar.

Bei 150 Mio. Hektar neuem Wälder würden nach Berechnungen von IUCN und anderer Wissenschaft­ler (Wolosin 2014) zwischen 1 und 2 Gigatonnen CO2 pro Jahr in der neuen Biomasse gespeichert werden.

Insgesamt wird das Potenzial an degradierten Landflächen mit 1 bis 3 Mrd. Hektar angegeben. Emissionen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung betragen zwischen 20 und 24 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen – das entspricht etwa 12 Gigatonnen CO2 (Bezugs­jahr 2020, Bericht IPCC 2014). Die Emissionen nur (!) aus Landnutzungsänderung und Landdegradie­rung betragen rund 4,4 Gigatonnen CO2/Jahr. Allerdings gibt es noch wenig genaue wissenschaftliche Messungen und kein standardisiertes Rahmenwerk/Methoden dazu. Neben dem Wiederaufbau der Wälder gilt es, die Entwaldung insbesondere der tropischen Regenwälder zu stoppen. Funktionierende Tropenwälder sind im Kampf gegen den Klimawandel unerlässlich. Der wirtschaft­liche Vorteil des 150 Millionen Hektar-Ziels wird auf 85 Mrd. USD beziffert. Die damit verbundene CO2-Bindung reduziert die globale Emissionslücke um 11 bis 17 Prozent.

Wie unterstützt Deutschland die Bonn Challenge?

Die Bonn Challenge versteht sich als Aktionsplattform, die Aktivitäten zum Waldaufbau unter­stützt und Partner zusammenbringt – nach dem Motto „voneinander lernen – miteinander umset­zen“.

Deutschland hat sich zu einem Vorreiter in diesem Bereich entwickelt. Das Bundesumweltministe­rium unterstützt über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) seit 2011 Entwicklungsländer bei der Umsetzung der Bonn Challenge. Die Bundesrepublik unterstützt die Umsetzung der Deklaration durch eine Plattform, die die Länder bei der Umsetzung der Ziele unterstützt, zum Beispiel durch

Capacity Building und regelmäßige Bestandsaufnahmen. Diese Plattform wird auf der COP 23 präsen­tiert.

Wie geht es weiter mit der Bonn Challenge?

Die brasilianische Regierung hat beim Bundesumweltministerium offiziell angefragt, die 3. Internatio­nale Bonn Challenge Konferenz gemeinsam mit BMUB vom 16.-17. März 2018 durchzuführen. Der Schwerpunkt der politischen Diskussion wird auf der „Umsetzung des Wiederaufbaus von Wäldern auf kommunaler Ebene“ sein. Die Abfolge der globalen Wiederherstellung der Wälder geht von global bis lokal:

  1. Bonn Challenge 1.0 „globales Ziel 150 Millionen Hektar bis 2020“
  2. Bonn Challenge 2.0 „Regionalisierung der Bonn Challenge in Afrika, Asien und Lateinamerika“
  3. Bonn Challenge 3.0 „Umsetzung auf kommunaler Ebene“

Der Wald auf der COP23 und dem Global Landscape Forum

Zum Themenkomplex „Wald „ gibt es am Sonntag, den 12.11. einen eigenen „Forest-Day“ der UNFCCC.

Mit Unterstützung der Bundesregierung findet vom 19.-20. Dezember das Global Landscape Forum (GLF) in Bonn statt. Das GLF ist das mittlerweile größte Netzwerk innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft. Seit seiner Gründung 2013 hat das GLF eine führende Rolle beim weltweiten Schutz bedrohter Landschaften übernommen.

Weitere Informationen

Nachhaltige Weltklimakonferenz

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Wie die Bonner Weltklimakonferenz zum umweltfreundlichen Erfolgsmodell werden kann
Die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen wird so umweltverträglich und nachhaltig wie möglich ausgerichtet. Treibhausgasemissionen sollen so weit wie möglich vermieden werden. Nicht vermeidbare Emissionen werden durch anspruchsvolle Klimaschutzprojekte kompensiert. Die Organisation der Bonner Weltklimakonferenz soll demnach neue Maßstäbe in Sachen Umweltfreundlichkeit von Großveranstaltungen setzen. Darum strebt das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem UN-Klimasekretariat eine Zertifizierung nach dem besonders anspruchsvollen EMAS-System (Eco Management and Audit Scheme) an. Dabei werden alle Umweltauswirkungen analysiert und negative Folgen so weit wie möglich minimiert. Die verbleibenden CO2-Emissionen, die insbesondere bei der An- und Abreise entstehen, sollen anschließend kompensiert werden. Dies ist ein gemeinsames Projekt des BMUB und des UN-Klimasekretariates.

Was ist EMAS?

EMAS ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union, das Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Branche dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

Alleinstellungsmerkmale von EMAS sind vor allem:

  • Beachtung konkreter inhaltlicher Umwelt-Kernindikatoren neben allen anderen wesentlichen Umweltaspekten,
  • Prüfung durch einen staatlich zugelassenen Umweltgutachter,
  • Rechtskonformität vor Zertifizierung erforderlich,Erstellung eines geprüften und öffentlich zugänglichen Umweltberichts (der Umwelterklärung),
  • Beteiligung der Vollzugsbehörden durch die zuständige Industrie- und Handelskammer, sodann Registrierung durch die IHK und
  • Eintragung ins EMAS-Register (www.emas-register.de), nach Registrierung Berechtigung zum Führen des EMAS-Logos.

EMAS enthält gleichzeitig die Anforderungen der ISO 14001 (ISO-Norm zum Umweltmanagement) und zertifiziert diese mit. Auf eine reine ISO-Zertifizierung wurde wegen der geringeren inhaltlichen Anforderungen der ISO 14001 (keine Rechtskonformität verlangt, keine Pflicht zur Berichterstattung, keine Kernindikatoren, keine Beteiligung von Vollzugsbehörden) verzichtet.

Ist es nicht zwingend, UN-Konferenzen streng nach Nachhaltigkeitskriterien zu zertifizieren?

Selbstverständlich werden globale Umweltkonferenzen mit besonderem Augenmerk auf Nachhaltigkeit organisiert und durchgeführt. Die Zertifizierung der zwei vorhergehenden Klimakonferenzen in Paris und Marrakesch erfolgte beispielsweise nach der ISO-Norm 20121 (nachhaltiges Event-Management). Diese ISO-Norm stellt allerdings keine strikten Anforderungen und gibt weder verbindliche Kernindikatoren vor noch verlangt sie die Rechtskonformität vor der Zertifizierung.

Bislang wurde EMAS bei keiner Welt-Klimakonferenz eingeführt. In Deutschland wurden bislang erst zwei staatliche Großveranstaltungen nach EMAS zertifiziert: Die Konferenz über die Biologische Vielfalt 2008 in Bonn und das Festival der Zukunft 2016 zum 30-jährigen Jubiläum des Bundesumweltministeriums in Berlin.

Was wird alles auf Umwelt- und Klimaverträglichkeit geprüft?

Alle wesentlichen zu erwartenden Auswirkungen der Konferenz in Bezug auf Treibhausgasemissionen, sonstige Emissionen (inkl. Lärm), Energieeffizienz mit Anteil erneuerbarer Energien, Materialeffizienz, Wasser, Abfall und Biodiversität werden dahingehend geprüft, ob sie vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden können. Hierzu werden Umweltleitlinien und ein Maßnahmenprogramm erstellt. Sonstige Umweltaspekte werden einbezogen, soweit sie für die Konferenz relevant sind. Dies sind etwa Kriterien für die öffentliche Beschaffung von Material für die Konferenz, das Catering oder die Materialverwendung für die temporären Bauten, aber auch die Bewusstseinsbildung bei Besuchern, z.B. über eine entsprechende Kommunikation zur Verwendung von Mehrweggeschirr oder zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.

Die umweltfreundliche Konferenzorganisation umfasst zum Beispiel den Papierverbrauch, die Verwendung von Recyclingmaterial, eine überwiegend vegetarische Verpflegung mit hohem Bio- und Regionalanteil, die Getränkeversorgung, das Abfallaufkommen, Mobilität, Energie- und Wasserverbrauch sowie die Zeltbauten. Aber auch die Sensibilisierung aller Mitarbeitenden und Teilnehmenden der Konferenz gehört dazu.

Wer beteiligt sich an der nachhaltigen Ausrichtung?

Neben dem Bundesumweltministerium und dem UN-Klimasekretariat beteiligen sich auch das Bundesentwicklungsministerium und das Auswärtige Amt an der umweltfreundlichen Ausrichtung. Darüber hinaus wird die Klimakonferenz von der Gastgeberstadt Bonn zum Anlass genommen, das Projekt „Sustainable Bonn“ auszubauen. Langfristig sollen alle Bonner Hotels auf den Weg zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gebracht werden. Die Energieagentur Nordrhein-Westfalen hat hierzu ihre Unterstützung in Form von Beratungen angeboten.

Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Bonner Region ist für alle Delegierten und akkreditierte Beobachterorganisationen sowie JournalistInnen während der COP23 kostenlos. Zur Busflotte gehören zum Beispiel 15 alternativ angetriebene Busse. Darüber hinaus wurde die neue ÖPNV-Haltestelle „UN-Campus“ gebaut und eingeweiht.

Alle Vertragspartner und Lieferanten des BMUB und des Klimasekretariates sind angehalten, den „UN Code of Conduct“ der Vereinten Nationen bzw. entsprechende Empfehlungen der Bundesregierung und der Stadt Bonn zu unterschreiben, in denen sie sich zur Einhaltung von gesetzlichen Regelungen, Umwelt- und sozialen Standards verpflichten. Dies gilt entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowohl für Haupt- als auch für Unterauftragnehmer und betrifft z.B. die Zahlung von Mindestlohn, Antikorruptionsmaßnahmen, Achtung von Menschenrechten oder die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen.

Wie wird die Umweltfreundlichkeit überprüft?

Die Umweltaspekte werden während der COP 23 von einem unabhängigen Gutachter geprüft. Das EMAS-Zertifikat wird am Freitag, den 17.11.2017 zum Konferenzende an das Bundesumweltministerium und das UNFCCC überreicht, wenn die vor-Ort-Begutachtung erfolgreich abgeschlossen ist und alle Verbrauchskennzahlen erhoben sind. Nach der Konferenz wird eine Evaluation durch einen unabhängigen Gutachter vorgenommen, die die prognostizierten und in der Umwelterklärung dargestellten Ziele mit den tatsächlich erreichten Zielen vergleicht. Die Umwelterklärung wird zu diesem Zweck aktualisiert. Die Richtigkeit der Angaben wird sodann nochmals von dem Umweltgutachter überprüft.

Eine durch das UN-Klimasekretariat durchgeführte Befragung von Teilnehmenden soll Ort und Kategorie des genutzten Hotels, die Entfernung Hotel-COP, die Verwendung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), von Taxi oder Pkw und die Anzahl der Konferenztage der befragten Teilnehmer erfassen. Die Ergebnisse werden anonymisiert ausgewertet und dann für die Klimabilanz der COP 23 verwendet.

Mit welchen Projekten werden verbleibende CO2-Emissionen kompensiert?

Unvermeidbare Treibhausgase, die vor allem durch die An- und Abreise entstehen, werden über hochwertige CO2-Emissionsminderungszertifikate aus internationalen Klimaschutzprojekten kompensiert. Das Umweltbundesamt veröffentlicht dazu eine Ausschreibung. Gesucht werden anspruchsvolle Projekte, die neben zusätzlicher Emissionsminderung auch einen hohen Nachhaltigkeitseffekt im Projektland erbringen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Hoher Nachhaltigkeitseffekt im Projektland; keine HFC-23 oder N2O-Projekte, keine Kohleprojekte oder große Wasserkraftprojekte; Gutschriften aus der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto Protokolls. Als Zeichen der Partnerschaft mit Fidschi für die COP, wird für den Erwerb von Zertifikaten ein regionaler Fokus auf kleine Inselstaaten (SIDS, Small Island Developing States) gelegt. Die Bundesregierung wird dann in dem Umfang Zertifikate von diesen Projekten kaufen, den die Bonner Konferenz an Klimagasen verursacht hat.

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