Die COP der Anerkennung und Einbindung

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In Paris hatte sich in der Präambel bereits angedeutet, dass die Anerkennung der unter- oder nichtrepräsentierte Gruppen in den internationalen Klimaschutzverhandlungen einen neuen Stellenwert bekommt.  Zum Ende der 23. COP wird eine Handschrift deutlich, dass diese Anerkennung kein Papiertiger bleibt. Zwei konkrete Beispiele sollen dies verdeutlichen:

COP 21 etablierte den Grundgedanken einer Plattform für indigene Völker und lokale Gemeinden, ohne konkrete Vorgaben zu definieren. Daher waren die Erwartungen vor allem auf seiten der Vertreter der indigenen Völker besonders hoch. In Bonn wurde nun eine Einigung über den Zweck der Plattform und ihre Funktionen erreicht. Das war für alle Parteien ein wichtiger Schritt und hat einen hohen Stellenwert für weitere Gruppen, die nicht als offizielle Delegationen an den Verhandlungen teilnehmen können. Die Plattform der Indigenen Völker wird in Zukunft als fester Kanal zwischen lokalem Wissen, Erfahrungsaustausch und der Befähigung von Klimaschutz dienen. Weshalb ist dies so wichtig?

Aus deutscher Erfahrung mit der Energiewende wissen wir, wie wichtig die Akzeptanz für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen vor Ort ist und wie wertvoll es sein kann, wenn jeder und jede seinen eigenen Betrag dazu leistet. Nur so können die hochgesteckten Klimaziele erreicht werden. Das kommt nicht von allein, sondern durch die wirksame Einbeziehung und Teilhabe von Bevölkerungsgruppen an diesen Prozessen. Umgekehrt helfen direkte Kanäle zwischen lokalem Expertenwissen und Entscheider, bessere Gesetze zu stricken, die nicht an den Lebenswelten der Betroffenen vorbeigehen. Wer mehr dazu wissen will, wie gut gemeinte Entwürfe zur Klimapolitik sich als völlig wirkungslos entpuppen, dem sei dieser Artikel empfohlen: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378014000120

Auch die Anerkennung zwischen den Generationen entwickelt sich weiter. Dieser Appell ging ebenfalls von Paris aus. Zum ersten Mal in der Geschichte der COP ist eine Jugenddelegation mit Beobachterstatus an den Verhandlungen dabei. Diese Entwicklung ist insbesondere von großer Tragweite, denn die zukünftigen Generationen müssen sich mit den Konsequenzen des Klimawandels viel stärker auseinandersetzen. Die Klima-Talks des BMUB in der ersten Woche der COP 23 waren ein Gradmesser, wie bereichernd der Austausch der Generationen, für alle beteiligten sein kann. Lernen kommt eben durch Erfahrung und „Selber-Machen“. Der Education Day an der COP zeigt, wie vielfältig Klimabildung sein kann und wie wichtig es gleichzeitig ist, Kinder und Jugendlichen überhaupt mit dem Thema zu erreichen. Leicht umsetzbaren Ideen für schulische Klimaschutzprojekte weltweit sind dabei genauso wichtig, wie glaubwürdige Trendsetter zu Nachhaltigkeitsthemen in sozialen Medien. Von beidem gibt es noch zu wenig, aber auch das wurde an der COP erkannt.

Von Anatol Itten, BMUB-Referent bei der COP 23