Bei der NGO-Party

fiji_marching_police_orchestra_lp_1200_crDie COP23 hat gestern getanzt. Genau genommen haben die Nichtregierungsorganisationen ihre traditionelle Halbzeitparty geschmissen. Mit dem Versprechen von COP-erfahreneren Kollegen, dass diese Partys legendär seien, haben wir uns aufgemacht, den Wahrheitsgehalt dieser Ankündigung zu überprüfen. Angefangen hatte der Abend schon gut auf dem Empfang des Bonner Oberbürgermeisters Ashok Sridharan in der Bundeskunsthalle. Sridharan hatte die Städte und Kommunen, die heute auf der COP 23 ihren ICLEI-Gipfel haben, eingeladen. Mit dem Fiji Marching Police Orchestra und Arnold Schwarzenegger. Der Governator schwebte samt Entourage ein, hörte Bernadette La Hengsts COP-Schlager und entschwand wieder durch eine Wolke aufgeregter Fans, die sich nicht zwischen Buffet und Arnie-Selfie entscheiden konnten. Arnold hat natürlich gewonnen.

Von einer ehemaligen Leinwand- und heute Umweltlegende also zur angeblich legendären Party der Verbände und Organisationen. Den Titel tragen diese Partys übrigens zu Recht. Das Bonner Redüttchen jedenfalls platzte vor lauter partywütigen, netzwerkenden, weiterdiskutierenden, flirtenden und tanzenden Klimaaktivisten, Verbändechefinnen und -chefs und Delegierten aus allen Nähten. So etwas muss sein: Die Verhandlungstage und Workshops von morgens früh bis Abends spät lassen kaum Luft für Entspannung. Da kommt so ein Event gerade Recht, um ein bisschen vom Ernst der klimapolitischen Weltlage abzulenken. Kein Scherz – Klima- und Umweltpolitik sind längst in den harten Ebenen von Politik, Wirtschaft und  Diplomatie angekommen. Also tanzte WWF-Chef Manuel Pulgar Vidal mit Delegationen aus aller Welt, während sich finnische und deutsche Mitarbeiterinnen aus den jeweiligen Umweltministerien an die harten Verhandlungen zum Klimaanpassungsfonds erinnern – bevor auch sie vom Beat der richtig guten Band und später auch dem DJ auf die Tanzfläche gezogen werden. Wieder einmal zeigt sich: Dem Ernst der Arbeit tut ein bisschen Ausgelassenheit sehr gut – der Visitenkartenindustrie auch. Netzwerken at its best eben. Und das bis morgens um fünf.

Am Sonntagmorgen ist dann auch niemand verwundert, dass erst einmal fast nur die 800 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in der Bonn-Zone auftauchen, aber viele Länderpavillons unbesetzt sind. Gehegt und umsorgt von einigen zerknitterten aber gut gelaunten Gesichtern, die gestern mitgefeiert haben. Die Bula-Zone mit den Delegationsbüros und Verhandlungsräumen bleibt heute sogar ganz geschlossen. Pause für die Köpfe. Dieser Tag gehört ganz den Kommunen und Regionen, bevor es in die zweite Halbzeit der COP 23 geht, in der nun die Verhandlungsergebnisse der staatlichen Klimaexpertinnen und -experten auf politischer Ebene weiter diskutiert werden.