Klimawandel in der Region Bonn

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Die Niederschläge im Niederrheinischen Tiefland sind mit 700 mm bis 750 mm pro Jahr vergleichsweise gering. In der Niederrheinischen Bucht werden aufgrund der Leelage zur Eifel sogar weniger als 700 mm pro Jahr gemessen, in der Zülpicher Börde unter 600 mm. Mit einer mittleren Jahrestemperatur von meist über 10 °C herrscht insbesondere im Rheintal ein warmes Klima mit milden Wintern und einer langen Vegetationsperiode. Im Niederrheinischen Tiefland findet sowohl Grünlandbewirtschaftung als auch Ackerlandbau statt. Größere Waldkomplexe sind nur lokal vorhanden. In der typischen Bördelandschaft der Kölner Bucht dominiert der Ackerbau, Grünland ist weitgehend auf die Flussauen beschränkt und inzwischen stark zurückgedrängt. Wald in nennenswerter Ausdehnung findet sich nur auf der Bergischen Heideterrasse und in Teilen der Ville.

Bereits beobachtete Klimaänderungen

Im Vergleich der Zeiträume 1951-1980 und 1981-2010 ist die Temperatur in NRW flächendeckend angestiegen, im Mittel um etwa 0,6 °C.

Die Entwicklung im Niederrheinischen Tiefland und der Niederrheinischen Bucht entspricht diesem Trend. Bei den Kenntagen zeigt sich größtenteils ebenfalls eine dem Landesdurchschnitt entsprechende Entwicklung; nur der nördliche Teil des Niederrheinischen Tieflands an der Grenze zu den Niederlanden hat sich überdurchschnittlich erwärmt. Die heißen Tage haben mit etwa 5 Tagen überdurchschnittlich stark zugenommen, die Eistage mit über 5 Tagen überdurchschnittlich stark abgenommen.

Die Jahresniederschläge haben in der Niederrheinischen Bucht und dem Niederrheinischen Tiefland dem Landesdurchschnitt entsprechend zugenommen. Der Anstieg bleibt in weiten Teilen der Niederrheinischen Bucht sowie im Süden des Niederrheinischen Tieflands aber mit unter 50 mm Zunahme hinter dem NRW-Durchschnitt von über 60 mm zurück.

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Zu erwartende Klimaänderungen

Für die Zukunft ist in der Niederrheinischen Bucht und dem Niederrheinischen Tiefland eine dem Landestrend entsprechende Temperaturentwicklung zu erkennen.

Aufgrund der bereits heute wärmeren Temperaturen ist zu erwarten, dass am Niederrhein die höchsten Jahresdurchschnittstemperaturen zu verzeichnen sein werden.

Landwirtschaft

In beiden Großlandschaften ist ein starker Trend zu einer Verlängerung der frostfreien Phase zu erkennen, d.h. es ist ein deutlich früheres Ende der Spätfröste und ein späteres Einsetzen der Frühfröste zu erwarten. Dies kann sich positiv auf die Landwirtschaft auswirken, allerdings spielen weitere Einflussfaktoren, wie eine ausreichende Wasserverfügbarkeit, für die Ertragssituation eine Rolle. Gerade in den wärmebegünstigten Lagen des Niederrheinischen Tieflands und der Niederrheinischen Bucht wird in Zukunft eine ausreichende Wasserversorgung an Bedeutung gewinnen.

Biologische Vielfalt und Naturschutz

Für sensitive Feuchtlebensräume, z. B. die Nass- und Feuchtgrünlandbiotope am Rhein bzw. seinen ehemaligen Rinnensystemen oder die Bruch- und Sumpfwälder sowie die Moore der Schwalm-Nette-Region, wird sich durch die zu erwartenden klimatischen Änderungen die Anfälligkeit erhöhen, da Moore insbesondere Kälte und Feuchte liebende Pflanzen beheimaten. Wenn Moore trocken fallen werden Treibhausgase freigesetzt, die seit Jahrtausenden in den Böden gespeichert sind und schädigen zusätzlich das Klima.

https://www.umwelt.nrw.de/umwelt/klimawandel-und-anpassung/klimawandel-folgen-in-ausgewaehlten-sektoren/

Städte und Ballungsräume in NRW

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste und am dichtesten besiedelte Bundesland Deutschlands. Über 8 Millionen Menschen leben in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern, wobei eine außergewöhnlich hohe Konzentration von dicht besiedelten, verstädterten Gebieten im Rhein-Ruhr-Raum vorzufinden ist.

Hier werden die klimatischen Effekte des derzeitigen Klimas und mögliche zukünftige Auswirkungen auf Städte und Ballungsräume ähnlich den Großlandschaften beschrieben. Die Aussagen gelten dabei über die naturräumlichen Großräume hinweg für Großstädte zum Beispiel in der Westfälischen Bucht (Essen, Bochum und Dortmund), im Niederrheinischen Tiefland (Düsseldorf und Duisburg) sowie in der Niederrheinischen Bucht (Köln und Bonn).

Quelle: LANUV-Fachbericht Klimawandel und Klimafolgen 2016

Einfluss der städtischen Bebauung auf das Klima

Städtische Gebiete mit hoher Bebauungs- und Bevölkerungsdichte sowie hohem Versiegelungsgrad weisen durchschnittlich höhere Temperaturen auf, als das weniger dicht bebaute Umland – es bilden sich sogenannte städtische Wärmeinseln. Ein solches 11 Temperaturgefälle, welches bis über 10 Celsius betragen kann, entsteht durch den höheren städtischen Energieverbrauch beispielsweise durch Verkehr und Gebäude. Außerdem bietet die städtische Bebauung eine größere Oberfläche zur Wärmespeicherung. Darüber hinaus werden die höheren Temperaturen in der Stadt durch eine geringere Luftzufuhr sowie eine verminderte Verdunstung von Wasser durch Pflanzen und die damit verbundene geringere kühlende Wirkung verursacht. Die Wärmeinseln bilden sich insbesondere während sommerlicher Hochdruckwetterlagen und sind in den frühen Nachtstunden besonders ausgeprägt.

Städte und Klimawandel

In den dicht bebauten Ballungszentren Nordrhein-Westfalens können einige Auswirkungen des Klimawandels bereits beobachtet werden; auch zukünftig werden einige Folgen des Klimawandels dort besonders deutlich zu spüren sein.

Die stärksten Betroffenheiten lösen in den Ballungszentren und Großstädten Nordrhein-Westfalens die Hitzeperioden aus. Hitzebelastung wirkt sich vor allem auf das Herz-Kreislauf-System aus, besonders ältere Menschen, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter der Hitze. In Bochum kann eine Zunahme der mittleren städtischen Wärmeinselintensität im Sommer in den Aufzeichnung seit 1997 nachgewiesen werden. Darüber hinaus zeigten Untersuchungen in den Städten Bochum, Bonn und Köln, dass an innerstädtischen Messstationen vor allem während Hitzesommern (zum Beispiel 2006, 2010, 2013 und 2015) häufiger Sommertage (Tage mit einem Temperaturmaximum über 25 °C) und Tropennächte (Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C absinkt) verzeichnet wurden als im Umland. Die Anzahl und Dauer von Hitzewellen (mindestens drei aufeinanderfolgende Tage mit einer Maximaltemperatur über 30 °C) war in den genannten Städten ebenfalls höher als im Umland. In weitere Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Wärmebelastung in Düsseldorf und an der Station Köln-Bonn im Vergleich der Zeiträume 1971-2000 und 1981-2010 angestiegen ist. Der Klimawandel wird den Wärmeinsel-Effekt und die damit verbundene Belastung in Städten und Ballungsräumen durch zunehmende Hitze noch weiter verstärken.

Die zukünftig erwartete Hitzebelastung in Nordrhein-Westfalen entsteht nicht nur durch den generell projizierten Anstieg der mittleren Temperatur, sondern vor allem dadurch, dass es häufiger besonders heiße Tage im Sommer geben wird. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass sommerliche Hitzewellen nicht nur eine höhere maximale Temperatur aufweisen, sondern auch häufiger werden und über einen längeren Zeitraum andauern können. Zudem werden die Menschen durch Hitzewellen, die sehr früh im Jahr auftreten, stärker beeinträchtigt, da sich der Organismus noch nicht an die höheren Sommertemperaturen angepasst hat.

Infolge des Klimawandels verändert sich auch die räumliche und zeitliche Verteilung von Niederschlägen. Neben dem Trend zu geringeren Sommerniederschlägen und höheren Niederschlägen im Winterhalbjahr nehmen auch die Bandbreite der Niederschläge und damit die Häufigkeit von Niederschlagsextremen zu. Durch Starkregen und Hochwasserereignisse sowie Trockenperioden im Sommer entsteht eine wachsende Gefährdung für Siedlungsbereiche in Nordrhein-Westfalen. Starkregen können zu Überlastungen der Entwässerungssysteme und zu Binnenhochwässern mit Überschwemmungen führen. Es ist in Zukunft mit einer Zunahme von Gebäude- und Infrastrukturschäden durch Starkregenereignisse zu rechnen, wobei der hohe Versiegelungsgrad in den Städten und Ballungsräumen die Verwundbarkeit von Siedlungsstrukturen gegenüber Sturzregen erhöht.

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