Ausflug in die Klimawissenschaft

kuenstliche_sonne_kp_1200_crDeutschland als Vorreiter in Sachen Klimaschutz? Das wird dieser Tage und angesichts des möglichen Verfehlens deutscher Klimaziele häufiger vermutet. Ohne Frage, die Republik muss sich noch deutlich stärker anstrengen, wenn sie ihre eigenen Ziele, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen und ihren Anspruch an die Führungsrolle in Sachen Klimaschutz glaubwürdig wahrnehmen will. Allen Zweiflern und Kritikern sei aber gesagt: Das Potenzial ist da. Das machen nicht nur die Klimapolitiker und engagierten NGOs auf der COP23 deutlich. Das zeigen auch die vielen guten Beispiele, zu denen die Energieagentur NRW im Rahmen der Weltklimakonferenz Journalist*innen und Delegierte einlädt. Eine davon fand am Freitag statt und hat auch Bundesumweltministerin Hendricks inspiriert mitzufahren: Hightech und Forschung für das Klima von Weltrang standen hatten rund 40 Teilnehmende in den Bus nach Jülich gelockt. Ziel der Exkursion war zum einen das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Solarthermische Kraftwerk und die größte künstliche Sonne der Welt „Synlight“ in Jülich. An beiden Forschungsanlagen wird zu einer CO2-freien Herstellung von Wasserstoff geforscht. Und die Wissenschaftler haben tatsächlich eine sagenhafte und aufregende Konstruktion gebaut. Viele Spiegel, die Licht so konzentrieren, dass ausreichend Energie für den chemischen Prozess erzeugt wird.

Das Klima und die Luftqualität standen auch bei der zweiten Station der Reise im Fokus. Am Institut für Energie- und Klimaforschung untersuchen Wissenschaftler/-innen des Forschungszentrums Jülich physikalische und chemische Prozesse in der Atmosphäre sowie ihre Wechselwirkungen im gesamten Klimageschehen. Das tun sie in einer stationären Forschungsanlage auf dem Campus der Großforschungsanlage. Und sie tun es in Kooperation mit Fluglinien, um weltweit die Luft untersuchen zu können. Auch das riesige Rechenzentrum wird genutzt, um in den Kleinbus großen Computerschränken Wolkenströme zu simulieren. Für Nichtwissenschaftler fast schon eine Spur zu abstrakt – wenn die Forscher nicht immer wieder ein Beispielbild vermitteln konnten, damit Laien hinterherkamen. Champion der Fragensteller war denn auch die Ministerin, die allerdings offenbar schon einen gewaltigen Wissensvorsprung vor den anderen Mitreisenden hatte. Aber die Kolleginnen und Kollegen aus Japan, Peru, Indien, USA, Hongkong, Berlin und Bonn hatten mächtig viel Spaß an der aufregenden Technik. Oder wie es eine amerikanische Wissenschaftlerin am Ende des Trips einem Journalisten mit leuchtenden Augen erzählte: Wow, das war wie in einem riesengroßen Nerd-Spielzeugladen!

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