Die “Bonn-Challenge”

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Der ambitionierte Kampf zum Erhalt der Wälder
Die Stadt Bonn ist mit einem wichtigen Erfolg der internationalen Umweltpolitik verbunden: der so­genannten „Bonn Challenge“, einem internationalen Programm, das sich dem Erhalt und dem Wie­der­aufbau von Wäldern widmet. Die Bonn Challenge wurde im September 2011 auf einem Minister­treffen in Bonn initiiert, das die deutsche Regierung gemeinsam mit der internationalen Naturschutz­union IUCN (International Union for Conservation of Nature) und der GPFLR (Global Partnership on Forest and Landscape Restoration) ausrichtete. Dank der 2011 gegründeten Initiative ist das Thema „Wiederaufbau von Wäldern“ aus der Nische weltweit in das klimapolitische Rampen­licht gerückt.

Was macht die Wiederherstellung von Wäldern zur Bonner Herausforderung?

Die Bonn Challenge ist die umfassendste Initiative zur Renaturierung weltweit. Sie vereint eine Grup­pe engagierter Staaten wie Indonesien, China, Brasilien, Costa Rica oder Südkorea mit Geberlän­dern wie Deutschland und Norwegen, engagierten Unternehmen und Organisationen. Die Bonn Challenge zielt darauf ab, bis zum Jahr 2020 insgesamt 150 Millionen Hektar und bis 2030 mindes­tens 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche weltweit wiederher­zu­stellen. Dies ist eine Fläche, die ungefähr viermal der Landesfläche der Bundesrepublik Deutschland ent­spricht. Erstmalig wurden mit der Initiative zwei wichtige Anliegen der Staatengemeinschaft strate­gisch verknüpft: der Schutz der Biodiversität  und der Schutz des Klimas. Dazu gehört auch das Ziel,  bis 2030 die Entwal­dung durch die Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten (v.a. Palmöl. Papier, Rindfleisch) zu stoppen.

Gibt es bereits erste Erfolge?

Bereits in diesem Jahr hat die Bonn Challenge ein wichtiges Etappenziel erreicht: Es gibt inzwischen Zusagen von Ländern für den Wiederaufbau von 150 Millionen Hektar Wald. Außerdem hat sich die Idee von Bonn aus in die wichtigen Waldregionen der Welt verbreitet und wird dort weiterverfolgt: Mit einer Bonn Challenge Regionalkonferenz für Asien in Palembang, Indonesien. Auch in Lateiname­rika hat ein umfassender Regionalisierungsprozess eingesetzt. Der waldreiche Staat Honduras ist beispielsweise nach El Salvador (2015) und Panama (2016) das dritte Land Zentralamerikas, das mit der Bonn Challenge den Wiederaufbau seiner Wälder ambitioniert vorantreiben will. Dafür startet das Land das „Eine Millionen Hektar-Programm“. In Afrika arbeiten unter anderem Äthiopien und Liberia an der „Great Green Wall Initiative“, die mit wiederaufgebauten Wäldern die Ausbreitung der Sahara eindämmen soll. Aktuell haben bisher bereits 26 Länder Nationale Untersuchungen abge­schlossen, innerhalb derer sie das Potenzial für den Wiederaufbau von Wäldern identifiziert haben und darauf aufbauend Nationale Programme und Strategien beschlossen haben.

Die Zusagen zur Bonn Challenge von den Ländern werden in ihre nationalen Klimareduktionsver­pflichtungen und damit den „Nationally Determined Contributions NDC“ übernommen. Damit werden die Zusagen der Bonn Challenge Teil des Pariser Klimaabkommens und Bestandteil des globalen Klimaschutzziels.

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Quelle: IUCN, 2017

Wo der Wiederaufbau in den Ländern stattfindet soll u.a. mit Hilfe eines über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des BMUB geförderten Vorhabens – dem Bonn Challenge Barometer“ – für eine erste Auswahl von Ländern (u.a. Brasilien, Indonesien, Ruanda, El Salvador) erfasst werden. Erste Ergebnisse werden 2018 erwartet.

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Welche Rolle spielt der Wald für das Klima?

Der Großteil der Entwaldung findet in den Tropen und Subtropen statt, aber auch im borealen Raum (Russland, Kanada) gibt es bedeutende Waldverluste. Etwa die Fläche von zwei Fußballfeldern wird pro Minute irgendwo auf der Welt gerodet. Diese Entwaldungsrate trägt etwa 10 bis 15 Prozent zu den globalen CO2-Emissionsbelastungen bei. Zwar werden jährlich auch etwa 8 Millionen Hektar wieder aufgeforstet – allerdings überwiegend als artenarme, ökologisch bedenkliche Plantagen (z.B. aus Eukalyptus oder Kiefernarten). Die Biodiversität der globalen Wälder nimmt durch die fortschrei­tende Entwaldung rapide ab (etwa 70 Prozent der Arten weltweit leben in den sog. Megadiversitäts­ländern der Tropen und Subtropen und hier in erster Linie in den artenreichen Tropenwäldern). Schätzungen beziffern den jährlichen Verlust an „Ökosystemleistungen durch Degradierung“ zwi­schen 4,3 und 20,2 Billionen US Dollar.

Bei 150 Mio. Hektar neuem Wälder würden nach Berechnungen von IUCN und anderer Wissenschaft­ler (Wolosin 2014) zwischen 1 und 2 Gigatonnen CO2 pro Jahr in der neuen Biomasse gespeichert werden.

Insgesamt wird das Potenzial an degradierten Landflächen mit 1 bis 3 Mrd. Hektar angegeben. Emissionen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung betragen zwischen 20 und 24 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen – das entspricht etwa 12 Gigatonnen CO2 (Bezugs­jahr 2020, Bericht IPCC 2014). Die Emissionen nur (!) aus Landnutzungsänderung und Landdegradie­rung betragen rund 4,4 Gigatonnen CO2/Jahr. Allerdings gibt es noch wenig genaue wissenschaftliche Messungen und kein standardisiertes Rahmenwerk/Methoden dazu. Neben dem Wiederaufbau der Wälder gilt es, die Entwaldung insbesondere der tropischen Regenwälder zu stoppen. Funktionierende Tropenwälder sind im Kampf gegen den Klimawandel unerlässlich. Der wirtschaft­liche Vorteil des 150 Millionen Hektar-Ziels wird auf 85 Mrd. USD beziffert. Die damit verbundene CO2-Bindung reduziert die globale Emissionslücke um 11 bis 17 Prozent.

Wie unterstützt Deutschland die Bonn Challenge?

Die Bonn Challenge versteht sich als Aktionsplattform, die Aktivitäten zum Waldaufbau unter­stützt und Partner zusammenbringt – nach dem Motto „voneinander lernen – miteinander umset­zen“.

Deutschland hat sich zu einem Vorreiter in diesem Bereich entwickelt. Das Bundesumweltministe­rium unterstützt über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) seit 2011 Entwicklungsländer bei der Umsetzung der Bonn Challenge. Die Bundesrepublik unterstützt die Umsetzung der Deklaration durch eine Plattform, die die Länder bei der Umsetzung der Ziele unterstützt, zum Beispiel durch

Capacity Building und regelmäßige Bestandsaufnahmen. Diese Plattform wird auf der COP 23 präsen­tiert.

Wie geht es weiter mit der Bonn Challenge?

Die brasilianische Regierung hat beim Bundesumweltministerium offiziell angefragt, die 3. Internatio­nale Bonn Challenge Konferenz gemeinsam mit BMUB vom 16.-17. März 2018 durchzuführen. Der Schwerpunkt der politischen Diskussion wird auf der „Umsetzung des Wiederaufbaus von Wäldern auf kommunaler Ebene“ sein. Die Abfolge der globalen Wiederherstellung der Wälder geht von global bis lokal:

  1. Bonn Challenge 1.0 „globales Ziel 150 Millionen Hektar bis 2020“
  2. Bonn Challenge 2.0 „Regionalisierung der Bonn Challenge in Afrika, Asien und Lateinamerika“
  3. Bonn Challenge 3.0 „Umsetzung auf kommunaler Ebene“

Der Wald auf der COP23 und dem Global Landscape Forum

Zum Themenkomplex „Wald „ gibt es am Sonntag, den 12.11. einen eigenen „Forest-Day“ der UNFCCC.

Mit Unterstützung der Bundesregierung findet vom 19.-20. Dezember das Global Landscape Forum (GLF) in Bonn statt. Das GLF ist das mittlerweile größte Netzwerk innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft. Seit seiner Gründung 2013 hat das GLF eine führende Rolle beim weltweiten Schutz bedrohter Landschaften übernommen.

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