Nachhaltige Weltklimakonferenz

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Wie die Bonner Weltklimakonferenz zum umweltfreundlichen Erfolgsmodell werden kann
Die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen wird so umweltverträglich und nachhaltig wie möglich ausgerichtet. Treibhausgasemissionen sollen so weit wie möglich vermieden werden. Nicht vermeidbare Emissionen werden durch anspruchsvolle Klimaschutzprojekte kompensiert. Die Organisation der Bonner Weltklimakonferenz soll demnach neue Maßstäbe in Sachen Umweltfreundlichkeit von Großveranstaltungen setzen. Darum strebt das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem UN-Klimasekretariat eine Zertifizierung nach dem besonders anspruchsvollen EMAS-System (Eco Management and Audit Scheme) an. Dabei werden alle Umweltauswirkungen analysiert und negative Folgen so weit wie möglich minimiert. Die verbleibenden CO2-Emissionen, die insbesondere bei der An- und Abreise entstehen, sollen anschließend kompensiert werden. Dies ist ein gemeinsames Projekt des BMUB und des UN-Klimasekretariates.

Was ist EMAS?

EMAS ist ein freiwilliges Instrument der Europäischen Union, das Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Branche dabei unterstützt, ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.

Alleinstellungsmerkmale von EMAS sind vor allem:

  • Beachtung konkreter inhaltlicher Umwelt-Kernindikatoren neben allen anderen wesentlichen Umweltaspekten,
  • Prüfung durch einen staatlich zugelassenen Umweltgutachter,
  • Rechtskonformität vor Zertifizierung erforderlich,Erstellung eines geprüften und öffentlich zugänglichen Umweltberichts (der Umwelterklärung),
  • Beteiligung der Vollzugsbehörden durch die zuständige Industrie- und Handelskammer, sodann Registrierung durch die IHK und
  • Eintragung ins EMAS-Register (www.emas-register.de), nach Registrierung Berechtigung zum Führen des EMAS-Logos.

EMAS enthält gleichzeitig die Anforderungen der ISO 14001 (ISO-Norm zum Umweltmanagement) und zertifiziert diese mit. Auf eine reine ISO-Zertifizierung wurde wegen der geringeren inhaltlichen Anforderungen der ISO 14001 (keine Rechtskonformität verlangt, keine Pflicht zur Berichterstattung, keine Kernindikatoren, keine Beteiligung von Vollzugsbehörden) verzichtet.

Ist es nicht zwingend, UN-Konferenzen streng nach Nachhaltigkeitskriterien zu zertifizieren?

Selbstverständlich werden globale Umweltkonferenzen mit besonderem Augenmerk auf Nachhaltigkeit organisiert und durchgeführt. Die Zertifizierung der zwei vorhergehenden Klimakonferenzen in Paris und Marrakesch erfolgte beispielsweise nach der ISO-Norm 20121 (nachhaltiges Event-Management). Diese ISO-Norm stellt allerdings keine strikten Anforderungen und gibt weder verbindliche Kernindikatoren vor noch verlangt sie die Rechtskonformität vor der Zertifizierung.

Bislang wurde EMAS bei keiner Welt-Klimakonferenz eingeführt. In Deutschland wurden bislang erst zwei staatliche Großveranstaltungen nach EMAS zertifiziert: Die Konferenz über die Biologische Vielfalt 2008 in Bonn und das Festival der Zukunft 2016 zum 30-jährigen Jubiläum des Bundesumweltministeriums in Berlin.

Was wird alles auf Umwelt- und Klimaverträglichkeit geprüft?

Alle wesentlichen zu erwartenden Auswirkungen der Konferenz in Bezug auf Treibhausgasemissionen, sonstige Emissionen (inkl. Lärm), Energieeffizienz mit Anteil erneuerbarer Energien, Materialeffizienz, Wasser, Abfall und Biodiversität werden dahingehend geprüft, ob sie vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden können. Hierzu werden Umweltleitlinien und ein Maßnahmenprogramm erstellt. Sonstige Umweltaspekte werden einbezogen, soweit sie für die Konferenz relevant sind. Dies sind etwa Kriterien für die öffentliche Beschaffung von Material für die Konferenz, das Catering oder die Materialverwendung für die temporären Bauten, aber auch die Bewusstseinsbildung bei Besuchern, z.B. über eine entsprechende Kommunikation zur Verwendung von Mehrweggeschirr oder zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.

Die umweltfreundliche Konferenzorganisation umfasst zum Beispiel den Papierverbrauch, die Verwendung von Recyclingmaterial, eine überwiegend vegetarische Verpflegung mit hohem Bio- und Regionalanteil, die Getränkeversorgung, das Abfallaufkommen, Mobilität, Energie- und Wasserverbrauch sowie die Zeltbauten. Aber auch die Sensibilisierung aller Mitarbeitenden und Teilnehmenden der Konferenz gehört dazu.

Wer beteiligt sich an der nachhaltigen Ausrichtung?

Neben dem Bundesumweltministerium und dem UN-Klimasekretariat beteiligen sich auch das Bundesentwicklungsministerium und das Auswärtige Amt an der umweltfreundlichen Ausrichtung. Darüber hinaus wird die Klimakonferenz von der Gastgeberstadt Bonn zum Anlass genommen, das Projekt „Sustainable Bonn“ auszubauen. Langfristig sollen alle Bonner Hotels auf den Weg zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gebracht werden. Die Energieagentur Nordrhein-Westfalen hat hierzu ihre Unterstützung in Form von Beratungen angeboten.

Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in der Bonner Region ist für alle Delegierten und akkreditierte Beobachterorganisationen sowie JournalistInnen während der COP23 kostenlos. Zur Busflotte gehören zum Beispiel 15 alternativ angetriebene Busse. Darüber hinaus wurde die neue ÖPNV-Haltestelle „UN-Campus“ gebaut und eingeweiht.

Alle Vertragspartner und Lieferanten des BMUB und des Klimasekretariates sind angehalten, den „UN Code of Conduct“ der Vereinten Nationen bzw. entsprechende Empfehlungen der Bundesregierung und der Stadt Bonn zu unterschreiben, in denen sie sich zur Einhaltung von gesetzlichen Regelungen, Umwelt- und sozialen Standards verpflichten. Dies gilt entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowohl für Haupt- als auch für Unterauftragnehmer und betrifft z.B. die Zahlung von Mindestlohn, Antikorruptionsmaßnahmen, Achtung von Menschenrechten oder die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen.

Wie wird die Umweltfreundlichkeit überprüft?

Die Umweltaspekte werden während der COP 23 von einem unabhängigen Gutachter geprüft. Das EMAS-Zertifikat wird am Freitag, den 17.11.2017 zum Konferenzende an das Bundesumweltministerium und das UNFCCC überreicht, wenn die vor-Ort-Begutachtung erfolgreich abgeschlossen ist und alle Verbrauchskennzahlen erhoben sind. Nach der Konferenz wird eine Evaluation durch einen unabhängigen Gutachter vorgenommen, die die prognostizierten und in der Umwelterklärung dargestellten Ziele mit den tatsächlich erreichten Zielen vergleicht. Die Umwelterklärung wird zu diesem Zweck aktualisiert. Die Richtigkeit der Angaben wird sodann nochmals von dem Umweltgutachter überprüft.

Eine durch das UN-Klimasekretariat durchgeführte Befragung von Teilnehmenden soll Ort und Kategorie des genutzten Hotels, die Entfernung Hotel-COP, die Verwendung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), von Taxi oder Pkw und die Anzahl der Konferenztage der befragten Teilnehmer erfassen. Die Ergebnisse werden anonymisiert ausgewertet und dann für die Klimabilanz der COP 23 verwendet.

Mit welchen Projekten werden verbleibende CO2-Emissionen kompensiert?

Unvermeidbare Treibhausgase, die vor allem durch die An- und Abreise entstehen, werden über hochwertige CO2-Emissionsminderungszertifikate aus internationalen Klimaschutzprojekten kompensiert. Das Umweltbundesamt veröffentlicht dazu eine Ausschreibung. Gesucht werden anspruchsvolle Projekte, die neben zusätzlicher Emissionsminderung auch einen hohen Nachhaltigkeitseffekt im Projektland erbringen. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Hoher Nachhaltigkeitseffekt im Projektland; keine HFC-23 oder N2O-Projekte, keine Kohleprojekte oder große Wasserkraftprojekte; Gutschriften aus der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto Protokolls. Als Zeichen der Partnerschaft mit Fidschi für die COP, wird für den Erwerb von Zertifikaten ein regionaler Fokus auf kleine Inselstaaten (SIDS, Small Island Developing States) gelegt. Die Bundesregierung wird dann in dem Umfang Zertifikate von diesen Projekten kaufen, den die Bonner Konferenz an Klimagasen verursacht hat.

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