Große Fortschritte bei der COP 23

hendricks_cop_23_abschlusspk_kp_1200_cr

Weltklimakonferenz in Bonn macht Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Abkommens

Die Weltklimakonferenz in Bonn ist heute nach einer langen Verhandlungsnacht erfolgreich zu Ende gegangen. Die 197 Vertragsparteien erzielten wichtige Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Der sogenannte Talanoa-Dialog soll im Laufe des nächsten Jahres die Staatengemeinschaft zu ambitioniertem Handeln ermutigen, um die globale Klimaschutzlücke zu schließen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: “Wir haben in Bonn große Fortschritte gemacht, und zwar beim Verhandeln und beim Handeln. Damit hat die Konferenz die Erwartungen voll erfüllt. Uns ist ein wichtiger Zwischenschritt gelungen auf dem Weg zur Konferenz in Kattowitz in einem Jahr, wo die Umsetzungsregeln von Paris beschlossen werden sollen. Bonn war auch die erste Weltklimakonferenz nach dem angekündigten Rückzug der Trump-Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen. Von Bonn geht das starke Signal aus, dass die Welt zusammensteht und sich beim Klimaschutz nicht aufhalten lässt.”

Ein wesentliches Ergebnis der Konferenz ist der sogenannte Talanoa-Dialog. Talanoa ist ein fidschianischer Begriff für einen Austausch mit allen Beteiligten. Da die aktuellen Klimaziele unter dem Pariser Abkommen in der Summe noch nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wurde bereits in Paris vereinbart, dass die Staatengemeinschaft mit der Zeit immer ehrgeiziger werden muss. Der Probelauf für diesen Ambitionsmechanismus ist der Talanoa Dialog. Unter Führung von Fidschi und Polen soll er im Laufe des nächsten Jahres Beiträge aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenfassen. Ergebnis wird eine Bestandsaufnahme sein, die die Vertragsstaaten zu ehrgeizigerem Handeln motivieren soll, um die globale Klimaschutzlücke zu schließen. Wichtige Fortschritte gab es auch beim sogenannten Regelbuch, also den Ausführungsbestimmungen für das Pariser Abkommen. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, wie die Staaten ihre Treibhausgasemissionen messen und darüber berichten. In Bonn wurden zu allen Fragen Texte entwickelt, die bis zur Weltklimakonferenz in Kattowitz 2018 schlussverhandelt werden können.

Gleichberechtigt neben den Verhandlungen wurde in Bonn die sogenannte Umsetzungsagenda vorangetrieben: In vielen hundert Veranstaltungen präsentierten Staaten, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Klimaschutzlösungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Ein Beispiel für die Fortschritte jenseits der Verhandlungen ist die sogenannte NDC-Partnerschaft, die Entwicklungsländern bei der Aufstellung von nationalen Klimaschutzstrategien hilft. Die Partnerschaft hat ihre Arbeit in Bonn deutlich ausgebaut.

Deutschland war technischer Gastgeber der Konferenz, die unter der Präsidentschaft von Fidschi stattfand. Die Bonner Weltklimakonferenz war die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat. In den zwei Konferenzwochen waren insgesamt 22.000 Teilnehmer anwesend, dazu mehr als 4500 Helferinnen und Helfer.

Hendricks: “Bonn hat sich als hervorragender Gastgeber präsentiert. Diese Konferenz hat Bonn als Standort für internationale Organisationen und Konferenzen gestärkt. Wir haben hier in Bonn Standards setzten können. Unser Konzept “eine Konferenz, zwei Zonen” ist voll aufgegangen. Sowohl die Bula Zone mit den Verhandlungen als auch die Bonn Zone mit den Umsetzungsbeispielen waren gut besucht. Ich bin sicher, dass dieser Zweiklang aus Verhandeln und Handeln bei künftigen Klimakonferenzen Schule machen wird.”

Weitere Informationen: www.cop23.de

Die 23. COP geht zu Ende

cop_23_yt_171117_tageszusammenfassung_lp_cr_1200

In Bonn geht am heutigen Freitag die Weltklimakonferenz von 196 Staaten zu Ende. Es war die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat. Rund 22.000 Teilnehmer auf dem Gelände, dazu mehr als 4500 Helferinnen und Helfer.

Im Detail: Es waren 11.000 Delegierte, 1200 Journalisten und mit 9500 Observern doppelt so viele wie bei früheren Klimakonferenzen üblich. 14-Tage und manche Nächte wurde verhandelt, aber auch ganz viel präsentiert, debattiert und ausgetauscht und vielleicht wurde auch die eine oder andere Freundschaft geschlossen. Der deutsche Pavillon bot dafür eine gute Möglichkeit. Rund 5000 Besucher gab es dort in etwa 100 Veranstaltungen. 25.000 mit nachhaltigem Kaffee gefüllte Tassen wurden getrunken. Die free coffee diplomacy machte den deutschen Pavillon zu einem beliebten Dreh- und Angelpunkt in der Bonn-Zone.

Ein weiterer oft besuchter Ort war der Talanoa Space, die “Bühne für die Zivilgesellschaft”. Dort wurden nicht nur 70 Veranstaltungen mit NGO, der Wirtschaft und vielen anderen Akteuren durchgeführt, sondern die gelassene Atmosphäre entpuppte sich als Treffpunkt für viele jugendliche Klimaschützer aus der ganzen Welt; sozusagen die „Szene-Ecke“ auf der COP.
Die Konferenz war auch die erste nachweislich umweltfreundliche Weltklimakonferenz. Die Nahverkehrstickets und 600 Leihfahrräder wurden ausgiebig genutzt, aus den über 20.000 Mehrweg-Wasserflaschen wurde an 50 Trinkbrunnen literweise Wasser getrunken, was allein schon einen Müllberg im Umfang von einer halben Million Einwegbechern vermieden haben dürfte. Damit und mit vielen weiteren Maßnahmen dürfte die Messlatte in Sachen Nachhaltigkeit für große UN-Konferenzen deutlich höher gelegt worden sein.

Ein besonderes Dankeschön geht von Seiten der Veranstalter aber auch von vielen Teilnehmern an die Bonner und Bonnerinnnen, die sich als wunderbare Gastgeber präsentiert haben. In der Stadt wird es ab morgen etwas ruhiger, wenn die meisten Delegationen abgereist sind. Mit im Gepäck haben sie durch den Verhandlungsfortschritt eine gute Ausgangslage, die es erlauben sollte, an der COP24 in Katowice das Regelwerk zum Parisabkommen zu verabschieden und damit den Kampf gegen den Klimawandel international zu beschleunigen. In diesem Sinne, nach der COP ist vor der COP.

Von Anatol Itten, BMUB-Referent bei der COP23

Die COP der Anerkennung und Einbindung

cop_23_yt_tag_6_lp_cr_1200

In Paris hatte sich in der Präambel bereits angedeutet, dass die Anerkennung der unter- oder nichtrepräsentierte Gruppen in den internationalen Klimaschutzverhandlungen einen neuen Stellenwert bekommt.  Zum Ende der 23. COP wird eine Handschrift deutlich, dass diese Anerkennung kein Papiertiger bleibt. Zwei konkrete Beispiele sollen dies verdeutlichen:

COP 21 etablierte den Grundgedanken einer Plattform für indigene Völker und lokale Gemeinden, ohne konkrete Vorgaben zu definieren. Daher waren die Erwartungen vor allem auf seiten der Vertreter der indigenen Völker besonders hoch. In Bonn wurde nun eine Einigung über den Zweck der Plattform und ihre Funktionen erreicht. Das war für alle Parteien ein wichtiger Schritt und hat einen hohen Stellenwert für weitere Gruppen, die nicht als offizielle Delegationen an den Verhandlungen teilnehmen können. Die Plattform der Indigenen Völker wird in Zukunft als fester Kanal zwischen lokalem Wissen, Erfahrungsaustausch und der Befähigung von Klimaschutz dienen. Weshalb ist dies so wichtig?

Aus deutscher Erfahrung mit der Energiewende wissen wir, wie wichtig die Akzeptanz für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen vor Ort ist und wie wertvoll es sein kann, wenn jeder und jede seinen eigenen Betrag dazu leistet. Nur so können die hochgesteckten Klimaziele erreicht werden. Das kommt nicht von allein, sondern durch die wirksame Einbeziehung und Teilhabe von Bevölkerungsgruppen an diesen Prozessen. Umgekehrt helfen direkte Kanäle zwischen lokalem Expertenwissen und Entscheider, bessere Gesetze zu stricken, die nicht an den Lebenswelten der Betroffenen vorbeigehen. Wer mehr dazu wissen will, wie gut gemeinte Entwürfe zur Klimapolitik sich als völlig wirkungslos entpuppen, dem sei dieser Artikel empfohlen: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378014000120

Auch die Anerkennung zwischen den Generationen entwickelt sich weiter. Dieser Appell ging ebenfalls von Paris aus. Zum ersten Mal in der Geschichte der COP ist eine Jugenddelegation mit Beobachterstatus an den Verhandlungen dabei. Diese Entwicklung ist insbesondere von großer Tragweite, denn die zukünftigen Generationen müssen sich mit den Konsequenzen des Klimawandels viel stärker auseinandersetzen. Die Klima-Talks des BMUB in der ersten Woche der COP 23 waren ein Gradmesser, wie bereichernd der Austausch der Generationen, für alle beteiligten sein kann. Lernen kommt eben durch Erfahrung und „Selber-Machen“. Der Education Day an der COP zeigt, wie vielfältig Klimabildung sein kann und wie wichtig es gleichzeitig ist, Kinder und Jugendlichen überhaupt mit dem Thema zu erreichen. Leicht umsetzbaren Ideen für schulische Klimaschutzprojekte weltweit sind dabei genauso wichtig, wie glaubwürdige Trendsetter zu Nachhaltigkeitsthemen in sozialen Medien. Von beidem gibt es noch zu wenig, aber auch das wurde an der COP erkannt.

Von Anatol Itten, BMUB-Referent bei der COP 23

Endspurt bei der COP

bonn_UN_flagge_kp_1200

Bei der COP 23 steht die Dringlichkeit von Klimaschutz im Mittelpunkt. Gestern hat man sich darauf verständigt, 2018 und 2019 hochrangige politische Dialoge zur Ambition vor 2020 zu führen. Die Klimafinanzierung für Minderungs- und Anpassungshandlungen der Entwicklungsländer ist einer der Knackpunkte der Klimaverhandlungen. Die Gelder fließen bilateral und über verschiedene Institutionen an die Entwicklungsländer, unter ihnen der Grüne Klimafonds und der Anpassungsfonds. Wir sehen wichtige Fortschritte. Das Jahrbuch der Globalen Klimaaktionsagenda wurde in einem hochrangigen Segment vorgestellt. Viele globale Initiativen haben sich neue Ziele gesteckt. Nicht-staatliche Akteure arbeiten überall auf der Welt an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens: GCA Jahrbuch 2017 (PDF extern, 27 MB, englisch)

Der E-Shuttle in der Rheinaue

Die Delegierten auf der Weltklimakonferenz pendeln regelmäßig zwischen den beiden COP-23-Zonen: Verhandlungszone Bula und Veranstaltungszone Bonn. Neben einem kostenlos Fahrradangebot stehen dafür auch E-Shuttles zur Verfügung.

cop23_ebus_lp_1200_cr

Um ein möglichst vielfältiges Bild der Elektromobilität zu zeigen, kommen dabei sowohl rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge als auch Brennstoffzellenfahrzeuge zum Einsatz, die teilweise in Europa noch nicht zum Verkauf stehen. Die Fahrzeuge wurden aus Deutschland und anderen Ländern Europas (Belgien und Dänemark) nach Bonn transportiert.

Das Laden der Fahrzeuge erfolgt mit bereits vorhandenen und neu installierten Ladesäulen am Bundesumweltministerium Bonn mit 100 Prozent Ökostrom. Zudem stellen BMVi und BMBF ihre Ladesäulen zur Verfügung, um ausreichend Kapazität zu bieten. Am 17. Oktober wurde außerdem am Flughafen Köln/ Bonn eine neue Wasserstofftankstelle eröffnet, die sicherstellt, dass auch die Brennstoffzellenfahrzeuge geladen werden. Diese Tankstelle wird auch nach der COP weiter im Einsatz sein.

Das Thema Brennstoffzellenfahrzeuge wurde zudem bei Side Events auf der COP diskutiert.

Der E-Shuttle wird bereits durch zahlreiche Besucher gern angenommen. Er ist von 7:30 Uhr bis 22:30 Uhr mit max. 20 km/h zwischen der Bonn Zone und der Bula Zone (und andersrum) im Einsatz und wird auch als kleine „Safari“ durch die Rheinaue benutzt, um ortsansässige Enten zu fotografieren.

Von Joachim Hummel, COP23-Referent im BMUB Bonn

COP 23: Heute geht es auf die Zielgerade

tropfen_pflanze_kp_1200_crGuten Morgen aus Bonn! Wieder kein Sonnenaufgang – und das am Afrika-Tag der COP, an dem sich ein ordentlicher Promiauflauf mit 30 Staats- und Regierungschefs und weit über 100 Minister*innen ankündigt. Zumindest gibt es eine aufgeweckte Ministerin, die heute schon 7.30 Uhr die Delegationsbesprechung eröffnet, mit dem Fazit, dass wir bei den Verhandlungen wirklich gut vorangekommen sind. Und es gibt einen Geburtstag. Der Anpassungsfond wird morgen 10 Jahre und feiert dies auch, im alten Bonner Rathaus.

Herzlichen Glückwunsch!

Womit wir bei den Inhalten wären. Am Ende geht es da ja “nur” um Texte.

Wie sehen die derzeit aus? Ein kurzer Blick ins Innere:

Minderung: Unheimlich langer Text, in dem viele unterschiedliche Positionen sind zu der Frage zusammengetragen wurden, wie eine Treibhausminderung bestenfalls erreicht werden kann.

Transparenz: Gut strukturierter Text, der eine gute Entscheidungsgrundlage für das sogenannte Regelbuch darstellt, in dem zum Beispiel festgelegt wird, wie CO2 global nach einheitlichen Standards gemessen wird.

Mittels “Reflections-Notes” sollen die Textkoordinatoren übrigens sagen, wie mit diesen Texten und dem Rest der Verhandlungspapieren umgegangen werden soll.

Ein Ergebnis muss am Ende der Tagung beim  Lückenschließer-Prozess vorliegen, offiziell Talanoa-Dialog genannt. Hier muss übermorgen eine Prozedur feststehen, mit der die Staaten sich für das Pariser Abkommen richtig vorbereiten können/sollen und mittel- und langfristigere Klimaziele definieren. Das heißt, möglichst viele Staaten sollten 2020 Klimaziele für 2030 vorlegen können. Das braucht Nudging, Anstöße und ein bisschen Druck und Kontrolle.

Weiter gebaut wird zudem an einer Finanzierungstruktur für gravierende Extremwetterschäden durch Stürme, Fluten und Hurrikans. Hierzu werden weitere größere Geldsummen bereit gestellt.

Wie wichtig das ist, zeigen die Auswirkungen letzter Hurrikans auf einer Reihe von Inselstaaten. Teilweise gibt es dort einen Verlust von 200% des Bruttosozialproduktes, die Infrastruktur bestimmter Inseln ist also komplett weg. Das BMZ ist hier stark engagiert, siehe PM von gestern.

Keine Lösung gibt es bisher bei der Frage, wie die Türkei Zugang zum Green Climate Fund bekommt. Hier hat Staatssekretär die Verhandlungen geführt und er wird dies noch weiter tun.

Und was ist im Talanoa-Space, dem hippen Konkurrenten des deutschen Pavillon los? Der macht wieder eine Extra-Wurst. Hier ist kein Afrika-, sondern ein Inseltag. Außerdem geben sich hier einige große Wirtschaftsverbände die Klinke in die Hand, bei ein paar Kohle… Äh coolen Events zur Dekarbonisierung im Verkehrs- und anderen Sektoren jenseits der Energiebranche. Es hängen also nicht alle bei Macron und Merkel ab… 😉

Apropos, Macron. Der kommt heute beim deutschen Pavillon vorbei – es ist halt, the place to be.

Einen schönen Tag wünscht Stephan Haufe, BMUB-Pressesprecher auf der COP 23

Weitere Informationen:

Green Climate Fund

Was sind Klima-Langfriststrategien?

gletschersee_island_eis_kp_1200

Was bringen sie?
Im Pariser Klimaabkommen werden alle Staaten dazu aufgefordert, bis spätestens 2020 Klima-Langfriststrategien zu entwickeln. Sechs Länder sind dieser Aufforderung bisher nachgekommen und haben solche Strategien vorgelegt, darunter als erstes Land überhaupt Deutschland mit dem Klimaschutzplan 2050 (siehe unten). Viele andere Länder sind aktuell dabei, solche Strategien zu entwickeln, um bis Mitte des Jahrhunderts die Treibhausgase erheblich zu senken und sich an den Klimawandel anzupassen.
Die Zielmarken dafür legt das Pariser Klimaabkommen fest:

  • Minderung: Temperaturanstieg global bei unter 2 Grad oder sogar 1,5 Grad halten
  • Anpassung: Fähigkeit aller Staaten und Regionen, sich an die Folgen des
  • Klimawandels anzupassen

Was genau machen wir?
Die alte Bundesregierung hat im November 2016 den Klimaschutzplan 2050 beschlossen. Deutschland war das erste Land, das die im Pariser Übereinkommen geforderte Langfriststrategie bei den Vereinten Nationen hinterlegt hat.

Die deutsche Strategie orientiert sich unter anderem an dem Ziel des Pariser Abkommens, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts weltweit Treibhausgasneutralität zu erreichen. Das ist zum Einhalten der 2-Grad-Obergrenze notwendig, sie stellt Deutschland und die Welt aber auch vor eine gewaltige Herausforderung.

Deutschland hat im Klimaschutzplan das Minderungsziel für 2030 – minus 55 Prozent Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 – auf die einzelnen Sektoren verteilt. Zur Erinnerung: Mit der Aufteilung des Zwischenziels für 2030 werden alle Sektoren, Energiewirtschaft, Verkehr, Gebäude, Industrie und Landwirtschaft, gleichermaßen in die Pflicht genommen. Hier sollen also langfristig Wirtschaftsweisen etabliert werden, die unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Diese sektoralen Zwischenziele für 2030 sind das Herzstück des Klimaschutzplans.

Wie geht es mit dem Klimaschutzplan in dieser Legislaturperiode weiter?
Der Klimaschutzplan gilt weiter, insbesondere seine Zielfestlegungen bis 2050 und 2030. In dieser Legislaturperiode kommt es darauf an, den Plan mit Maßnahmen zu unterfüttern. Dabei müssen insbesondere die Jahre 2020 und 2030 in den Blick genommen werden.

Der erste Meilenstein dafür ist ein Maßnahmenprogramm: bis Ende 2018 soll die Bundesregierung dieses erarbeiten und beschließen. So sieht es der Klimaschutzplan vor. Mit der Vorbereitung dieses Programms hat die Bundesregierung bereits im Frühjahr 2017 begonnen, um so bald wie möglich in der neuen Legislaturperiode die nächsten Schritte zur Ausarbeitung zu gehen und das Maßnahmenprogramm konkret zu machen. Dabei geht es darum, konkrete Maßnahmen für die einzelnen Sektoren zu definieren und umzusetzen, um unsere deutschen und internationalen Klimaschutzziele zu erreichen.

Das Maßnahmenprogramm sollte im kommenden Jahr im Kabinett beschlossen und beim Klimagipfel in Kattowitz in Polen Ende 2018 vorgestellt werden.
Das Maßnahmenprogramm wird von einer Ex-Ante-Folgenabschätzung begleitet. Diese Prüfung bezieht sich auf die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen der Maßnahmen. Es geht also um mehr als nur ein Preisschild.

Nach dem Maßnahmenprogramm 2018 folgt der nächste Schritt: dann wird die Bundesregierung den Klimaschutzplan selbst fortschreiben. Die überarbeitete Version des Klimaschutzplans soll Ende 2019 beziehungsweise Anfang 2020 beschlossen werden, also synchron mit dem internationalen UN-Prozess. Das Pariser Übereinkommen gibt vor, dass alle Staaten bis zum Jahre 2020 neue oder überarbeitete Klimaschutzziele vorlegen müssen. Diese müssen anspruchsvoller sein als die jetzigen Ziele. Das gibt eine klare Richtung für den Klimaschutzplan vor.

Welche anderen Länder haben Strategien vorgelegt?
Neben Deutschland haben bisher Frankreich, Benin, die USA, Mexiko und Kanada ihre Langfristrategien vorgelegt – und zwar als offizielle Hinterlegung des jeweiligen Dokuments beim UN-Klimasekretariat. Diese Strategien unterscheiden sich jedoch signifikant hinsichtlich des Entstehungsprozesses, der gewählten Maßnahmen und des Umsetzungsprozesses.

In welchen Ländern werden gerade Strategien erarbeitet?
Langfriststrategien werden derzeit in einer Reihe von Ländern vorbereitet; so beispielsweise in Brasilien, Costa Rica, den Marshall Inseln, aber beispielsweise auch für den US Bundesstaat Kalifornien. Dabei werden jeweils ganz unterschiedliche Herangehensweisen gewählt, die dem jeweiligen Kontext entsprechen. Viele Länder haben auch die Absicht kommuniziert, einen diesbezüglichen Prozess starten zu wollen; so zum Beispiel Äthiopien. Im G20 Aktionsplan zu Klima und Energie für Wachstum, der im Juli in Hamburg verabschiedet wurde, wurde die Zielsetzung, entsprechende Langfriststrategien bis 2020 vorzulegen, ebenfalls bekräftigt.

Um Länder bei diesen Prozess zu unterstützen wurde auf der COP 22 in Marrakesch die sogenannte 2050 Pathways Platform ins Leben gerufen, die als Netzwerk fungieren soll und konzeptionelle Unterstützung bei der Erstellung von Langfriststrategien auf nationaler Ebene leisten kann. Dies ist gerade für Entwicklungsländer von großer Bedeutung, da diese häufig nicht über genügend Expertise und Kapital verfügen, um notwendige Modellierungen und Planungen vorzunehmen. Mittels der IKI unterstützt Deutschland bereits zahlreiche Länder bei solchen Planungsprozessen.

Wie läuft die internationale Debatte?
Befördert durch die Arbeiten der 2050 Pathways Platform und die Schwerpunktsetzung im Rahmen der der diesjährigen G20 Präsidentschaft, genießt das Thema Langfriststrategien international große Aufmerksamkeit. Wichtige Fragen, die diskutiert werden, betreffen methodische Aspekte, den Umfang der Strategien, die Rolle von Anpassungsaspekten, sowie die Verbindung der UN-Nachhaltigkeitsziele mit den Langfriststrategien.

Gibt es eine passende Grafik?
Sektorziele im Klimaschutzplan 2050

sektorziele

Quelle: Trends und Fakten zur deutschen Klimaschutzpolitik (Klimaschutz in Zahlen) 2017, BMUB

Gibt es wichtige Links?

Übersicht der bisher bei UNFCCC vorliegenden Langfriststrategien

Weitere Informationen zum deutschen Klimaschutzplan 2050

Die “Under2-Coalition”

wolken_erde_kontinente_kp_1200

Was ist die Under2-Coalition?

Die Under2 Coalition ist ein Klimaschutz-Netzwerk von Regionen, Städten und Nationalregierungen. Sie vereint aktuell 200 Partner aus mehr als 40 Ländern mit dem Ziel, durch konkrete Maßnahmen die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Die Mitglieder der Koalition verpflichten sich, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf zwei Tonnen pro Kopf oder alternativ um 80-95 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Under2 Coalition steht insgesamt für 1,2 Milliarden Menschen und etwa 29 Milliarden US-Dollar Bruttoinlandsprodukt – das entspricht 16 Prozent der Weltbevölkerung und 39 Prozent der globalen Wirtschaftskraft.

Basis ist das Under2 Memorandum of Understanding, das von Baden-Württemberg und Kalifornien initiiert und auf der Klimakonferenz 2015 in Paris vorgestellt wurde. Die Koalition ist seitdem rasant gewachsen, was besonders dem Einsatz der beiden Gründungsmitglieder geschuldet ist, repräsentiert durch Gouverneur Jerry Brown und Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Was unternimmt die Under2-Coalition konkret?

Die Under2Coalition bietet – angesichts der sehr verschiedenen Bedingungen in den Regionen der Welt – eine globale Plattform für ambitionierte CO2-Minderungsstrategien, die das Ziel der Treibhausgas-Neutralität bis 2050 mit unterstützt. Klare Langfriststrategien für eine klimaneutrale und kohlenstoffarme Wirtschaft setzen einen verlässlichen Rahmen und eröffnen enorme Potenziale für Innovation, Wachstum und Beschäftigung. Zugleich werden die Partner in den Regionen und die jeweiligen Nationalstaaten angeregt, in ihren Anstrengungen rasch auch über die in Paris beim Klimagipfel 2015 zugesagten Klimaschutzbeiträge (Nationally Determined Contributions) hinauszugehen – eine solche Ambitionssteigerung ist im Paris-Abkommen auch ausdrücklich vorgesehen.

Die Under2-Coalition wird mit ihren Mitgliedern konkret auf drei verschiedenen Themenfeldern arbeiten:

  • Unterstützung bei der Entwicklung von Langfriststrategien bis 2050 und geeigneten Zwischenzielen;
  • Entwicklung von innovativen Politikansätzen zur Förderung von Klimaschutzmaßnahmen und Austausch über “best solutions”;
  • Unterstützung beim Einrichten von Systemen zur Erfassung der Emissionen als Basis für messbaren Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen.

Die Under2-Coalition ist ein starker Partner bei der Umsetzung des Paris-Abkommens, denn Klimaschutz braucht das Engagement aller staatlichen Ebenen. Die Bedeutung der Koalition ergibt sich aus ihrer Größe und dem schnellen Wachstum seit 2015 auf aktuell 200 Mitglieder, die einen wesentlichen Teil der Weltbevölkerung und der globalen Wirtschaftskraft repräsentieren. Durch die Selbstverpflichtung einer solchen Anzahl von Partnern wird ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung des Paris-Abkommens geleistet.

Was machen die Mitglieder der Under2-Coalition?

Die kanadische Provinz Ontario tritt zum 01.01.2018 dem Emissionshandelssystem von Kalifornien bei.

Die Provinz Quebec setzt sich für einen weltweiten Preis für CO2 ein.

Für die südafrikanische Region KwaZulu-Natal stehen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sowie ein Ausbau der Solarenergie im Vordergrund.

Schottland engagiert sich bei der Einführung von E-Mobilität, zudem hat das Land eine Kommission eingerichtet, die sich mit einem sozial gerechten Strukturwandel in von fossiler Energiegewinnung geprägten Gebieten beschäftigt, was auch für andere Mitglieder der Koalition von Interesse sein kann.

Für New York steht aktuell neben der E-Mobilität zunehmend der Bereich Energiespeicher im Zentrum der Arbeit.

Wer ist Mitglied der Under2-Coalition?

Amerika

KANADA: British Columbia, Northwest Territories, Ontario, Québec, Vancouver City

USA: Atlanta, Austin, Boulder, California, Connecticut, Los Angeles, Massachusetts, Minnesota, Montgomery County, New Hampshire, New York City, New York State, Oakland, Oregon, Orlando, Pittsburgh, Portland, Rhode Island, Sacramento, San Francisco, Seattle City, Vermont, Washington State

BRASILIEN: Acre, Amazonas, Mato Grosso, Pernambuco, Rondônia, São Paulo City, São Paulo State, Tocantins

CHILE: Santiago

KOLUMBIEN: Guainía, Guaviare

MEXIKO: Aguascalientes, Baja California, Chiapas, Hidalgo, Jalisco, Mexico City, Mexico State, Michoacán, Quintana Roo, Tabasco, Yucatán

PERU: Loreto, San Martín, Ucayali

Europa

ÖSTERREICH: Niederösterreich

FRANKREICH: Alsace, Auvergne-Rhône-Alpes, Previously Rhône-Alpes, Bas-Rhin, Brittany, Midi-Pyrénées, Nouvelle-Aquitaine, Previously Aquitaine, Pays de la Loire

DEUSCHLAND: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Thüringen

UNGARN: Budapest

ITALIEN: Abruzzo, Basilicata, Emilia-Romagna, Lombardy, Piemont, Sardinia, Veneto

NIEDERLANDE: Drenthe, North Brabant, North Holland, South Holland

PORTUGAL: Azores, Madeira

SPANIEN: Andalusia, Basque Country, Catalonia, Navarra

SCHWEDEN: Jämtland Härjedalen

SWITZERLAND: Basel-Landschaft, Basel-Stadt

GROSSBRITANNIEN: Bristol, Greater Manchester City, Scotland, Wales

Afrika

KENYA: Laikipia County

IVORY COAST: Assemblée des Régions de Côte d’Ivoire represents 33 subnationals

NIGERIA: Cross River State

MOZAMBIQUE: Nampula City, Quelimane City

SENEGAL: Guédiawaye City

SOUTH AFRICA: KwaZulu-Natal, Western Cape

Asien/Ozeanien

AUSTRALIIEN: Australian Capital Territory, Queensland, South Australia, Victoria

CHINA: Alliance of Peaking Pioneer Cities represents 23 subnationals, Jiangsu Province, Sichuan Province,

INDIA: Chhattisgarh, Telangana

INDONESIA: East Kalimantan, South Sumatra, West Kalimantan

JAPAN: Gifu

NEPAL: Kathmandu Valley

Welche Nationalstaaten unterstützen die Under2 Coalition?

Armenien, Kanada, Costa Rica, Tschechische Republik, Dänemark, Fidschi, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, Marshall Islands, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Panama, Peru, Schweden, Großbritannien

Welche Partner treten bei der COP23 bei?

La Reunion, Armenien mit den Regionen Ararat, Shirak und Kotayk, Colima/Mexiko, Santa Fe/Argentina, Virginia/USA, Wallonie/Belgien, Caquetá/Kolumbien, Pastaza/Ecuador, Rio di Janeiro State, Attica/Griechenland

Weitere Informationen:

„Unsere Stimme wird gehört“

KlimaTalks Cop 23

Klima-Talks an Bonner Schulen

Das Bundesumweltministerium möchte Kinder und Jugendliche in die Diskussionen der Weltklimakonferenz COP 23 einbeziehen und veranstaltete deshalb sogenannte „Klima-Talks“ an Bonner Schulen. Die Idee dahinter: Gerade die Kinder und Jugendlichen von heute sind es, die den Einfluss der Klimaveränderungen am meisten spüren werden, deshalb ist es wichtig, ihre Meinung anzuhören.

Vom 6. bis 10. November 2017 haben Klimaverhandlerinnen und -verhandler und renommierte Klimaschutz-Expertinnen und Experten rund zehn Schulklassen im Bonner Raum besucht und mit ihnen über die Themen Klimapolitik, Klimawandel und Klimaschutz diskutiert. An jeder Veranstaltung nahm auch eine junge Klimaschützerin oder ein junger Klimaschützer teil – als Bindeglied zwischen Schülerinnen und Schülern und Expertinnen und Experten.

Mit den Talks wurden über 300 Schüler erreicht. Dabei lag der Hauptfokus nicht auf Präsentationen, sondern auf einem intensiven Austausch in Kleingruppen. Besonders wichtig waren dabei die Verhandler aus der deutschen und aus den internationalen Delegationen wie z.B. Großbritannien, Kolumbien, Peru oder Libanon. Denn durch deren Präsenz wurden den Schülern nicht nur die Folgen des Klimawandels weltweit besser verständlich, sondern die Verhandlungen vor ihrer Haustür wurden so viel greifbarerer.

Ein motivierendes Vorbild für die Schülerinnen und Schüler waren die zahlreichen Jugenddelegierten, die ebenfalls an den Talks teilnahmen. Insgesamt war der Tenor: in Zukunft mehr davon! Dass scheint auch für die Verhandler ähnlich gewesen zu sein, denn Archie Young, Chef der englischen Delegation sagte zum Abschied: “I get so much input, I don’t want to go back to the negotiations, I’d rather stay here and keep on talking with you.” Auch Arne Riedel von der Deutschen Delegation war überwältigt von dem Wissensdurst und dem Drang der Schüler, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Das gebe Hoffnungen für die Zukunft. Insgesamt haben sich die Klima-Talks als Instrument zur besseren Verständigung zwischen den Generationen bewährt. Oder wie es ein Schüler ausdrückte: “Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit für das, was uns am Ende am meisten auf der Seele brennt: Dass unsere Stimme gehört wird.”